Wer hat das Theater mit Graffiti übermalt? Eine Show beim Rathaus, eine Reise zur Sonne und viel mehr. Ayham Haj Hammadeh (7a) zeigt Fotos vom Festival of Light 2026.
Am Wilhelm-Gymnasium sind unter fast allen Tischen KAUGUMMIS!
Es gibt weiße, rote und einige mehr. Aber nicht nur Kaugummis, sondern auch Sticker und lustige Botschaften.
Die Botschaften weisen zum Beispiel auf Vereine, Fußballer und Meinungen hin.
1. Kein Kaugummi im
Unterricht kauen! Sonst: ,,Kann ich auch eins?“. Und: noch mehr Kaugummis unter
Tischen.
2. Kein Kaugummi
essen, das unter dem Tisch klebt (klebte!)! Sonst: „Na ja, der könnte von 2013
sein!“
Manche Schüler kommen auch auf die Idee, Kaugummis an die Decke zu werfen. Eine Stichprobe hat ergeben, dass die meisten Kaugummis im Haupthaus zu finden sind. Wir zeigen Fotos aus zwei Räumen.
Zu dem Thema Neubau bei der Außenstelle gibt es viele Fragen. Ein paar wollen wir in diesem Artikel beantworten. Wir haben im September ein Interview mit Herrn Bartsch diesbezüglich geführt. Folgende Fragen haben wir ihm gestellt:
-
Was soll auf dem Gelände unserer Außenstelle gebaut werden?
-
Wie lange werden die Bauarbeiten dauern?
-
Wie viel wird der Neubau kosten und wer bezahlt das?
-
Stehen Dinge unter Denkmalschutz?
Die
erste Frage wollen wir nun beantworten. Gebaut werden soll ein Neubau auf dem
Schulhof der Außenstelle. Dieser wird nicht ganz so hoch sein wie die
Außenstelle, aber höher als die alte Sporthalle. Der Neubau wird eine
Sporthalle beinhalten mit vier Umkleideräumen, welche mit Duschen ausgestattet
sind. Außerdem wird es zwei neue NaWi-Räume und einen Kunstraum geben.
Der
Neubau bekommt auch neue Toiletten. Damit der Neubau barrierefrei ist, wird
auch ein Aufzug eingebaut. Weil man in der Schule nicht hungrig sein will, wird
es eine Mensa geben, die für alle Jahrgänge geöffnet hat. Der Neubau wird große
Glasfenster und einen hellen Speisesaal haben, in dem man gemütlich sitzen
kann. Außerdem wird es einen überdachten Außenbereich geben.
Jetzt
aber zu einer der wichtigsten, wenn nicht sogar der wichtigsten Frage: wie
lange es dauern wird.
Wenn
alles gut läuft, wird der Bau zwei Jahre lang dauern. Angefangen wird im 2027.
Die Frage, wie viel der Neubau kosten wird, stellen
sich bestimmt viele. Der Neubau wird 20 Millionen Euro kosten. Bezahlt wird das
Geld von der Stadt Braunschweig, da sie der Schulträger ist. Für das WG ist das
ein Vertrauensbeweis, dass man so viel Geld in die Schule investiert. Unserer
Meinung nach ist die spannendste Frage, ob Dinge auf dem Grundstück unserer
Außenstelle unter Denkmalschutz stehen. Die Antwort lautet ja, das gesamte,
jetzt noch stehende Hauptgebäude der Außenstelle steht unter Denkmalschutz,
weshalb es auch nicht abgerissen, sondern ab Herbst 2027 saniert werden wird.
Die Mauer, welche den Schulhof einzäunt, steht ebenfalls unter Denkmalschutz.
Wir
hoffen, dass dieser Artikel einige Fragen geklärt hat. Wir sind schon sehr
gespannt darauf, wie alles aussehen wird.
„Ich suche Motive, die die Leute irgendwie berühren und irgendwas mit dem Ort machen.“ Sumeja Bangoji und Neva Nur Gültas (12. Jahrgang) im Gespräch mit der Graffiti-Künstlerin Myra Martin, die mit Philip Pohl alias Pinky Ponko und Robert Wollschlaeger das Graffiti-Projekt am WG geleitet hat.
Wie bist du zum Graffiti gekommen? Was hat dich daran fasziniert und weißt du noch, wie dein erstes Graffiti aussah?
Ich
habe tatsächlich über Workshops angefangen. Das erste Mal mit neun. Bei einem
Sommerfest in einem Flüchtlingsheim wurde eine Wand mit einer Unterwasserwelt
angemalt. Da habe ich einen orangenen Fisch gemalt. Und dann mit 14 habe ich
wieder einen Workshop mitgemacht und irgendwann richtig angefangen und öfter
gemalt.
Was ich faszinierend fand: Ich hatte vorher schon total viel naturalistisch gezeichnet, mit Bleistiften oder Buntstiften, aber halt immer nur auf DIN-A4-Papier zu Hause, alleine im Zimmer oder wo auch immer. Plötzlich so eine große Wand anzumalen, fand ich sehr toll.
Und
gab es jemanden, der dich besonders inspiriert oder beeinflusst hat?
Philipp
von Zitzewitz ist quasi mein Graffiti-Papa. Philipp hatte mich damals gefragt,
ob ich zum Workshop kommen möchte, und mir die ersten Sachen gezeigt. Der ist auch
einfach als Person mega chillig. Und ich dachte: „Krass, so ein Leben kann man
führen?“
Philipp
ist der Mentor von Melina Grasso, und Melina hat mich an die Hand genommen. Sie
hat mich sehr geprägt und wir sind auch supergut befreundet. Zweimal habe ich
bei ihr einen Workshop mitgemacht. Dann hat sie mich gefragt, was ich gern
werden möchte, und meinte: „Ich mache jetzt bald mein Bachelorprojekt von der
Uni (Experimentelle Gestaltung, Hochschule Hannover). Hast du Bock, da mitzumachen
und mir zu helfen?“
Sie hat
mich nach Flensburg eingeladen und wir haben zusammen – ich konnte mich dafür
von der Schule freistellen lassen – zwei lange Wochenenden daran gearbeitet.
Danach hat sie mich immer mehr zu Aufträgen mitgenommen und irgendwann,
zwischen meinen Abi-Prüfungen und dem Abi in der Hand, hatte ich meinen ersten
Auftrag. So hat es gestartet, ich habe ein Kleinunternehmen angemeldet und
gelernt, wie man Rechnungen schreibt. Ich kam vom Dorf und das Projekt kam in
die Zeitung und plötzlich waren da viele andere Leute, die gesagt haben: „Sowas
hätte ich auch gerne an meiner Garage.“ Genauso ging es los, dass ich irgendwie
auf eigene Beine kam.
Ich
komme auf jeden Fall aus dem Naturalistischen. Ich wollte am Anfang Dinge so
darstellen wie in echt. Dann habe ich ausprobiert: Was passiert, wenn ich andere
Farben nehme? Oder die Farbe runterlaufen lasse?
Gerade
denke ich mehr über die Motive nach. Letztens habe ich meine Oma und ihren Bruder
an eine sehr große Wand gemalt, in Broitzem. Ich frage mich sehr, was Bilder
mit dem Raum und den PassantInnen machen. Weil gerade ältere Menschen ja sehr
aus der Gesellschaft gedrängt werden, oft keine so „sinnvolle“ Rolle mehr
einnehmen und daher separiert werden. Und dann den beiden so viel Raum zu geben.
Und sie sind da so fröhlich auf der Fassade. Und es ist ja auch total schön,
alt zu werden, was meist so negativ geframed ist. Vorletzte Woche habe ich zwei
befreundete Personen gemalt, die nun kuschelig an einem Ort an der Straße rumliegen.
Ich suche Motive, die die Leute irgendwie berühren, ja irgendwas mit dem Ort machen. Da bin ich so auf der Suche.
Wie
entsteht ein Graffiti bei dir normalerweise? Woher bekommst du deine Idee?
Oft
suche ich nach Fotos, die ich selbst gemacht habe, weil ich schon größtenteils
eine Referenz brauche. Manchmal male ich auch eine Zeichnung. Irgendwas aus meinem
Leben. Ich suche nach Erlebnissen, an die ich eine Erinnerung habe, oder
Menschen, mit denen ich etwas verbinde.
Ich
habe mal in Halle-Neustadt mit zwei Friends rumgehangen und es kam ein Mädchen
und hat mit uns gespielt. Wir haben die ganze Zeit Purzelbäume und Radschläge
gemacht zwischen den Plattenbauten. Dann habe ich sie gezeichnet und später an eine
Wand gemalt in Lüneburg.
Es
war verwunderlich, dass sie so offen war und da einfach alleine rumspaziert
ist. Vielleicht hatten ihre Eltern nicht viel Zeit für sie. Sie musste zum
Essen nach Hause gehen und kam nochmal kurz mit einem Briefumschlag voll
Konfetti und einem lieben Zettel drin herunter. Das hat mich berührt.
Viele
Menschen verbinden Graffiti immer noch mit illegalem Sprayen und auch
Vandalismus. Warum, glaubst du, ist dieses Bild so verbreitet? Und wie würdest
du dir wünschen, dass Graffiti stattdessen wahrgenommen wird?
Es
kommt ja auch aus dem Illegalen. Es kommt aus New York, aus der Bronx. Da war
Schutt und Asche. Es war gewaltvoll.
Und
dann haben Kinder angefangen, ihren Namen in die Gegend zu schreiben. Das ist
so ein „Sich-gesehen-fühlen“ und irgendwie eine Wut oder eine Rebellion. Und es
wurde angefangen, Züge anzumalen. Die weiter fahren als die eigenen Füße
laufen. Es ist auch ein Akt des Infragestellens: wem der Raum gehört, der
öffentliche Raum, und wem Häuser gehören.
Das
ist dieser Graffiti-Geist.
Da gibts auch einige in der
Szene, die Street-Art blöd finden, wegen Gentrifizierung. Und weil es als
Mittel gegen Graffiti verkauft wird.
Es gibt viele Leute, die,
wenn ich an der Wand stehe, vorbeikommen und sagen: „Das ist aber toll, das ist
Kunst und hoffentlich wird es nicht übersprüht.“ Und „diese blöden
Schmierereien“.
Ich
finde es schade, dass so ein Kontrast aufgemacht wird. Gäbe es keine Tags und
kein illegales Graffiti, würde es auch niemals diese Wandmalereien geben – oder
nicht mit der Sprühdose, weil die Dosen ja überhaupt erst aus Ersterem heraus
entwickelt wurden.
Es
gehört schon auch eng zusammen. Es gibt viele, die aus dem Illegalen kommen und
dann irgendwann anfangen, auch Aufträge zu malen. Das wird oft weggedacht.
Und
wie würdest du dir wünschen, dass Graffiti wahrgenommen wird?
Ich
wünsche mir, dass ein größeres Verständnis da wäre. Weil ich in Halle, wo ich
studiere, öfter in Gegenden unterwegs bin, wo die Leute Street-Art doof finden
und wütend sind. Und das ist gar nicht so toll für mich, es sind schon
verschiedene Welten: Graffiti, Aufträge und Festivals. Und irgendwie ist es doch
schön, dass man so viel mit der Dose machen kann. Es geht einfach darum, dass
Leute ihre Freude daran haben und ihr Ding machen können.
Wo
liegt für dich persönlich die Grenze zwischen Graffiti als Kunst und Graffiti
als Vandalismus?
Ich
finde es schon ultra interessant, dass verschiedene Menschen auf einer Fläche im
öffentlichen Raum miteinander interagieren. Die Komposition. Ich mag es
persönlich auch, wenn es nicht so clean ist.
Und
die Frage ist auch: Was ist Kunst?
Wenn
ich Kaffeetassen male, sagen die Leute auch immer: „Das ist Kunst“, aber es
fühlt sich mehr wie ein Handwerk an.
Ich
studiere Kunst an der Uni. Da gibt es Profs, die sagen, ich soll mit Sprühen
aufhören, weil das meine künstlerische Entwicklung negativ beeinflusst.
Andererseits merkt man, dass Graffiti immer mehr Einfluss auf die
Galeriekunstwelt hat und mehr Arbeiten dort ihren Raum finden, auch mit
illegalem Hintergrund. Dass es da eine Kunstszene gibt.
Auf
jeden Fall sauspannende Fragen, weil es auch Fragen sind, die ich mir gerade
selber stelle. Ja, ich glaube, ich würde das gar nicht so trennen.
Gibt es deiner Meinung nach genug Möglichkeiten für Graffiti-Künstler oder -Künstlerinnen, legal zu arbeiten und dann die Kunst zu zeigen? Und kann man damit zum Beispiel die Politik ein bisschen verändern oder auf irgendetwas einen bestimmten Einfluss nehmen?
Es
gibt in vielen Städten legale Wände, Halls of Fame. Von daher gibt es auf jeden
Fall den Space, da hinzugehen und das zu lernen, sich mit Leuten zu treffen und
zu malen. Und man kann auch in der Stadt fragen: „Hey, kann ich ihr Haus
anmalen?“ Dann geben vielleicht Leute nicht unbedingt Geld, aber es ist auch
eine Möglichkeit, wie man zu Flächen kommen kann.
Und
ich glaube, irgendwie hat es schon einen Einfluss. Was meint ihr mit Politik? Vielleicht
keinen sichtbaren Einfluss auf irgendwelche Parteien, aber auf persönlicher
Ebene. Und das kann ja auch sehr politisch sein.
Beispielsweise
dieses Bild, das ich in Broitzem gemalt habe. Da gab es auch einiges an Kritik.
Eine Frau meinte: „Nee, dass ich das da so groß hinmale, das wäre ja irgendwie
– bedrückend.“ Aber eine andere meinte: „Wieso denn? Was ist denn da
bedrückend? Die gucken doch fröhlich.“
Ich verstehe
schon, dass man das Bild ganz anders wahrnimmt, wenn man Angst vorm Älterwerden
hatals wenn man keine Angst hat. Aber das ist dann vielleicht ein Prozess, der
angestoßen wird. Hoffentlich. Auf jeden Fall war das ein Moment, wo ich dachte:
„Okay, krass, da kommen irgendwie Emotionen.“
Kann
man als Graffiti-Künstlerin tatsächlich seinen Lebensunterhalt damit verdienen?
Ja,
ich kenne genug Leute, die das machen. Einige machen auch parallel andere Sachen,
wie zum Beispiel Pinky Ponko oder Philipp von Zitzewitz, über den ich
angefangen habe, der auch noch Filmer ist, oder Melina, die macht es komplett
übers Sprühen und kommt da gut mit aus.
Das
war auf jeden Fall das, was mich mit 14 total beeindruckt hat, weil ich immer dachte:
„Ich will irgendwas mit Kunst machen“, aber halt Richtung Grafikdesign oder
Design oder etwas, womit ich über die Runden kommen kann.
Momentan
studiere ich, kriege auch BAföG, von daher bin ich noch nicht darauf
angewiesen, was sehr angenehm ist, weil ich das Gefühl habe, dass ich mich
künstlerisch freier entwickeln kann.
Sind
es eher Privatpersonen, Unternehmen, Städte oder andere Auftraggeber?
Momentan
bin ich eher auf Festivals und Veranstaltungen unterwegs. Die werden dann durch
gewisse Fördertöpfe gefördert oder von Dosen- oder Fassadenfarbenfirmen gesponsert.
Vorher waren es Cafés, Fußballverein, Privatpersonen. Oder halt Workshops geben
über Jugendzentren vor allem.
Was
war bisher dein größter oder ungewöhnlichster Auftrag?
Ich
muss gerade an den Bierguru denken, der wollte Bier und den Schriftzug Guru darüber.
Das Größte war aber kein Auftrag, sondern beim Colour & Soul Festival 2026 diese
Wand der Seniorenwohnanlage vom Paritätischen in der Helene-Künne-Allee, 9 ×
9,7 Meter. Vorher waren die größeren Sachen 6 × 7 Meter.
Ich finde
es immer wieder besonders, wenn man mit Leuten interagiert, die man vorher
nicht kannte. Die irgendeinen Lebensweg haben, von dem man was mitbekommt, und
die unterschiedliche Lebensrealitäten haben. Ich denke an den Alltag eines alten
Pärchens, deren Garage ich angemalt habe.
Was
sind die größten Herausforderungen?
Oh, ich
finde jedes Bild ist eine Herausforderung, weil es immer diesen Punkt gibt, wo
du denkst: „Oh Gott, das wird nichts.“ Dann muss man einfach weitermalen und
merkt irgendwann: „Okay, alles gut, das wird gut.“ Von daher ist jedes Bild ein
kleiner Kampf.
Ich
finde die Vorbereitung auch immer herausfordernd. Mit der Zeit wird das
entspannter, aber ich bin immer mit dem Geld am Abwägen: Ist das zu wenig oder
zu viel? Dass man das Material und alles richtig einschätzt. Oder auch die Kommunikation
mit den Kunden. Kund*innen sind manchmal herausfordernd.
Wie
gehst du mit Kritik an deiner Kunst um?
Jetzt
zum Beispiel in Broitzem: Dass es denen zum Teil nicht gefällt, finde ich erst mal
total spannend und bin neugierig, da mehr herauszufinden. Aber wenn Leute
generell Streetart scheiße finden, dann weiß ich auch nicht so genau, was ich
da machen kann. Es kommt total darauf an, wie Kritik geäußert wird.
Gibt
es Phasen, in denen du durch Kritik oder generell von dir selbst aus keine
Motivation mehr hast?
Ja,
so in diesem Umkreis, wo es weniger positive Resonanz gibt, seit ich umgezogen
bin. In Hannover, wo ich herkomme, hatte ich halt viele Leute, die mich und
das, was ich gemacht habe, voll gepusht haben. Und ein Raum von Leuten, die das
eher doof finden plus Uni – ja, das hat auf jeden Fall meinen Spaß daran
beeinflusst. Ich hatte das Gefühl: „Boah, ich hab keine Lust mehr. Woran kann
das liegen? Das war doch immer meine Prio eins.“ Es ist halt auch ein sehr
gemeinschaftliches Ding. Zum Beispiel jetzt, wie wir den Workshop zusammen
geben, das macht halt 1000-mal mehr Spaß, da zusammen zu stehen. Was ein sehr
schönes Ding ist beim Sprühen. Naja, das war schon blöd, aber dann hat Pinky
mich besucht und dann hat es doch wieder Spaß gemacht, nachdem ich mich über
den ‚Ich glaub, das wird nix‘-Punkt gewagt hab. Dann kamen die Projekte im
Sommer und ich habe gemerkt: Es ist doch das Beste, was man so machen kann. Es
fühlt sich so sinnstiftend an.
Gibt
es etwas Bestimmtes, was du bei einem Projekt oder bei Aufträgen oder generell
vermitteln möchtest? Hast du eine Message?
Bei
Workshops ist es mir total wichtig, möglichst viel Freiraum zu geben. Ich finde
es toll, wenn alles aus der Gruppe kommt. Von außen zu merken, wie eine Gruppe
zusammenarbeiten kann. Ich finde es bei euch allen so heftig, ihr arbeitet so
schön zusammen, fragt immer rechts und links nach, wie das jetzt so passt. Es geht
mir darum, einen Raum zu schaffen, in dem sich alle trauen, sich auszudrücken.
Den Leuten das Gefühl zu geben: „Hey, du kannst das. Probier dich aus.“ Und einen
wertfreien Raum zu schaffen, in dem Menschen sich wohlfühlen. Gruppendynamik
finde ich spannend.
Denkst
du auch, dass Kunst generell und auch Graffiti dabei helfen kann, Selbstvertrauen
aufzubauen, vor allem auch bei Anfängern?
Mir
hat es auf jeden Fall sehr viel Selbstvertrauen gegeben. Vor allem dadurch,
dass ich plötzlich eigenes Geld verdienen konnte und auf eigenen Beinen stand.
Ich habe gemerkt, dass ich mich schon superkrass damit identifiziert habe und
weiterhin tue. Erst war es einfach wie ein neues Medium, aber irgendwie ist da
noch was anderes. Die Leute.
Wie
viel Selbstvertrauen habt ihr beim Sprühen?
Also,
ich muss sagen, am Anfang war es ein bisschen schwierig. Weil es nicht immer so
funktioniert hat, wie man das eigentlich möchte.
Aber
dann hast du uns gezeigt, dass, wenn es runterläuft, das auch eine Art Stil
ist, obwohl es nicht beabsichtigt war. Also, auch wenn es nicht so läuft, wie
man möchte, es trotzdem auf eine bestimmte Art schön aussehen kann. Und dass es
nicht immer perfekt sein muss. Trotzdem würde ich nicht sagen, dass wir es so
direkt richtig gut können.
Ja,
ich würde auch sagen, dass es herausfordernd ist. Anfangs sieht es so aus, als
ob das nichts wird, aber wenn man fast am Ende ist, dann sieht man: Okay, es
ist doch etwas geworden. Dann bin ich schon ein bisschen stolz auf mich.
Ja.
Ich finde, es ist auch voll toll geworden.
Danke!
Wenn du heute auf deinen gesamten Weg zurückblickst, gibt es irgendetwas, was
du als Künstlerin in Zukunft noch planst? Oder möchtest du noch irgendetwas
erreichen beziehungsweise ausprobieren?
Oh,
mein gesamter Weg. Ich bin ja auch erst 21. Das klingt so groß. Gerade bin ich happy
mit dem, wie es ist. Auch, dass Zufälle zu dem und dem geführt haben und ich
jetzt da bin, wie ich gerade bin. Dass so viele Leute mich an die Hand genommen
oder mir Perspektiven geschaffen haben.
Wie zum Beispiel Jascha Müller, der das „Hola Utopia! Street Art Festival“ in Hannover mitgegründet und gefragt hat: „Hey, möchtest du den Workshop nächstes Jahr mitleiten?“, als ich beim Workshop mitgemacht habe. Seitdem bin ich jedes Jahr dabei und assistiere Künstlerinnen und Künstlern und bekomme Flächen zum Malen.
Da
habe ich Lily Brick aus Barcelona assistiert. Da war ich vielleicht 17 und
konnte mich eine Woche von der Schule freistellen lassen und ihr bei der 20
Meter hohen Wand helfen. Sie reist durch die Welt und malt überall Wände an. Das
fände ich schon cool, wenn es mich vielleicht auch woanders hinführt, in andere
Länder, Menschen kennenlernen. Dieses Jahr habe ich das erste richtig große Mural
gemalt. Das fand ich toll und ich würde gerne noch mehr große Sachen malen und
mich weiter vernetzen und Leute haben zum Zusammenmalen, weil das so spaßig
ist.
Gibt
es einen bestimmten Traum oder ein Projekt, das du unbedingt noch verwirklichen
möchtest?
Das
Bild, was ich in Hannover gemalt habe, das hatte ich gefühlt seit einem Jahr im
Kopf. Das ist jetzt schon gemalt. Dieses Jahr ist ein krasses Jahr, die große
Wand habe ich auch gemalt. Ich glaube, ich muss mir jetzt erst mal neue Träume
überlegen. Gerade bin ich ein bisschen am Ausprobieren, noch abstraktere
Elemente mit reinzubringen. Ich mach im Studium sehr andere Sachen, so Richtung
Performance, Film und Zeichnung. Irgendwie habe ich das Gefühl, das jetzt alles
langsam zusammenfindet, und ich bin gespannt, wie es weiter verwächst.
Hast
du noch etwas, was du als Message weitergeben möchtest?
Ja, den Gedanken von „Hey,
ich kann erst mal das machen, was mir Freude bereitet und dann in die Richtung
weitergehen“. Ich habe das Gefühl, es sind so viele Jobs so unsicher mit KI.
Bei so viel Unsicherheit in der Welt, denkt man vielleicht „Ich mach lieber den
sicheren Weg“, aber man weiß sowieso nicht, ob der sicher ist.
Ich probiere jetzt aus, dass ich erst mal das Unsicherere mache. Was gerade
läuft, aber man weiß nicht, wie lange noch Geld dafür da ist.
Es
würde mich freuen, wenn Leute das lesen und sich ermutigt fühlen, dem zu
folgen, was ihnen Freude bereitet.
Es gibt ja viele, die sagen –
auch Leute, die mit mir in der Schule waren – „ich mache lieber was, wo ich
viel Geld verdiene, weil ich mir dann den Urlaub gut finanzieren kann, und das
Andere mache ich in meiner Freizeit“. Ich glaub, das ist auch ein Weg, den man
gut fahren kann, das will ich gar nicht bewerten. Aber mir taugt es auf jeden
Fall sehr, mein Leben möglichst frei gestalten zu können. Ich bin sehr dankbar,
dass ich das so machen kann.
Dann bedanken
wir uns für deine Zeit und auch für das Interview.
Ja, ich
danke auch. Das waren auf jeden Fall die spannendsten Fragen, die mir bisher
gestellt wurden. Also ja, ich fand, ihr habt übel gute Fragen gestellt.
Bilder: Myra Martin, Philipp Pohl, Robert Wollschlaeger, Neva/Sumeja, KI generiert (Info-Bild).
„Die meisten Jüngeren finden das Happy Rizzi House am spannendsten“. Ayham Haj Hammadeh (7a) interviewt die Braunschweiger Stadtführerin Sandra Fülling.
Können Sie uns etwas
über Ihren Beruf als Stadtführerin erzählen?
Natürlich, gerne. Ich freue
mich immer darauf, wenn Gäste hier nach Braunschweig zu Besuch kommen. Manche
gehen ganz spontan in die Touristinfo und fragen, wann ist denn die nächste
Stadtführung? Und manche landen dann bei mir oder bei meinen Kollegen. Oder es
gibt eine Lehrerin zum Beispiel, die anruft und gerne eine Führung über
Heinrich den Löwen hätte und über das Mittelalter in Braunschweig.
Hatten Sie schon mal
negative Erlebnisse bei Stadtführungen?
Da muss ich ein bisschen
überlegen. Richtig negativ noch nicht. Ich hatte bisher immer Glück und nette
Menschen. Vielleicht gab es mal was Lustiges, aber richtig negativ nicht.
Was finden Sie am
besten an Stadtführungen?
Na, auf neue Menschen kennenlernen, die Braunschweig kennenlernen wollen, und ihnen viel über die Stadt erzählen, die mir am Herzen liegt.
Können Sie uns von
etwas Witzigem erzählen, was Ihnen mal passiert ist?
Ja, beispielsweise bin ich
einmal mit einer Gruppe durch die Stadt gegangen und stand mit denen in der
Nähe vom Domplatz. Auf einmal drehte sich meine Gruppe um, ich kriege ja nicht
immer mit, was in meinem Rücken passiert, also, die guckten alle an mir vorbei
und ich dachte, habe ich jetzt was Langweiliges erzählt? Was ist denn da
passiert? Und dann drehe ich mich um und dann stand da eine Frau, die hatte auf
ihrem Wollpullover zwei Wellensittiche. Die saßen da einfach, kleine Vögel, und
sind am Arm auf und ab gekrabbelt und nicht weggeflogen. Die Gäste waren ganz
verzückt und abgelenkt und ich meinte, tja, da kann ich auch nicht mehr
mithalten mit meinem Programm, also, hier sieht man eine Kirche oder so.
Was ist Ihre
Lieblingssehenswürdigkeit in Braunschweig?
Für mich ist das ganz klar
alles, was mit Löwen zu tun hat. Das ist das Aushängeschild von Braunschweig
und ich finde auch den originalen Löwen total beeindruckend. Wenn man dem mal
Auge in Auge im Herzog Anton Ulrich Museum gegenüber gestanden hat, ist es
schon beeindruckend, wie alt der ist.
Können Sie uns mehr
über die Löwen erzählen, was ist so besonders daran?
Das Besondere ist
wahrscheinlich, dass hier schon im 12.
Jahrhundert von Heinrich dem Löwen ein
Denkmal errichtet worden ist, das in der Mitte hohl war. Das wurde hier auf dem
Burgplatz errichtet als erste freistehende Hohlgussfigur. Das ist etwas ganz Besonderes,
weil die Figur die Kraft und die Stärke des Herrschers damals im Mittelalter
symbolisierte, also, von Heinrich dem Löwen. Sie zeigte eben: Ich bin der
Herrscher und ich wohne hier und Braunschweig ist meine Hauptstadt.
Wie sieht Ihr Tag als Stadtführerin aus?
Einen typischen Tag gibt es
eigentlich nicht. Wenn Gäste nach Braunschweig kommen oder eine Lehrerin, eine
Gruppe oder eine Firma eine Führung bucht, ist natürlich nicht jeder Tag
gleich. Die Menschen sagen ja nicht: „Morgen um sieben, übermorgen wieder um
sieben und dann auch noch einmal um sieben.“ Stattdessen haben sie
beispielsweise einen Termin oder eine Veranstaltung in Braunschweig, ein
Meeting oder Ähnliches. Anschließend haben sie vielleicht Mittagspause und
möchten gerne durch die Stadt spazieren und dabei etwas über Braunschweig
erfahren.
Dann buchen sie eine
Stadtführung, beispielsweise bei mir oder bei meinen Kolleginnen und Kollegen.
Das kann am Nachmittag sein, aber während des Lichtparcours in Braunschweig
beispielsweise auch einmal mitten in der Nacht, wenn die Lichter eingeschaltet
sind. Dadurch ist jeder Tag abwechslungsreich und es gibt eben nicht immer das
Gleiche.
Haben Sie noch einen
anderen Job?
Ich mache das sozusagen als
Teilzeitjob. Es gibt in Braunschweig nur wenige, die das als Vollzeitjob machen
können, weil wir nicht so eine große Stadt sind. In Städten wie Hamburg,
München, Berlin, da kann man hauptberuflich Stadtführungen anbieten. Hier gibt
es vielleicht auch welche von meinen Kollegen, ich selbst aber nicht.
Machen Sie auch
Stadtführungen für Leute, die kein Deutsch können?
Ja, es gibt natürlich
englische Führungen, die biete ich auf jeden Fall auch an, und es gibt
natürlich auch ganz viele andere Sprachen, die angeboten werden, leider nicht
von mir. Ich habe mal versucht, spanische Führungen anzubieten, denn ich habe
mal in Spanien gelebt. Aber wenn man die Sprache nicht jeden Tag benutzt, dann
ist das weg und man erzählt nur komische Sachen, wenn Leute vor einem stehen,
die die Sprache können.
Kommen eher mehr deutsche
Gäste oder eher nicht deutsche?
Das ist inzwischen sehr
gemischt. Aber viele trauen sich noch nicht, eine ganz deutsche Führung
mitzumachen. Ich glaube, es sind immer noch mehr, die nach Braunschweig kommen
und eine Führung auf Deutsch möchten, in anderen, großen Städten ist das vielleicht
anders. Da gibt es bestimmt mehr internationale Gäste.
Wie alt sind Sie denn?
Ich bin 53.
Wie kann man Stadtführer
werden? Muss man studieren?
Man muss dafür bisher noch
nicht studieren. Die Ausbildung habe ich vor etwa zehn Jahren gemacht und sie
dauerte ungefähr ein Dreivierteljahr. Das war auf Deutsch und Englisch und man
musste eine richtige Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer ablegen. Man
hat einen Probenrundgang gemacht und musste eine theoretische Prüfung ablegen.
Hinterher bildet man sich natürlich selbst weiter. Ich habe aber auch etwas
studiert, was mir hier weiterhilft. Ich komme aus der Touristik und habe früher
im Reisebüro gearbeitet.
Was gefällt den Leuten, die
Brauschweig zum ersten Mal besuchen, am besten?
Ich glaube, die meisten
Jüngeren finden das Happy Rizzi House am spannendsten. Die sagen, boah, das ist
ja toll, das gibt es ja nirgendwo anders. Das habe ich schon von vielen gehört.
Viele sind aber auch vom Löwen begeistert oder vom M
agniviertel, weil das da so
schöne alte Gassen hat, oder sie schwärmen vom Altstadtmarkt. Das ist auch
etwas, was mir richtig am Herzen liegt.
Okay, das war es. Danke
schön.
Ja, gerne.
Fotos: Ayham Haj Hammadeh, Sandra Fülling (Porträt).
„Eine Lebenssammlung von Pflanzen“. Prof. Dr. Robert Hänsch, Leiter des Instituts für Pflanzenbiologie und des Botanischen Gartens, im Gespräch mit Luisa Hanke und Viktoria Palazzo (6a).

Unser Service für Eilige: eine KI-generierte Infografik mit den wichtigsten Informationen aus dem Text.
Was ist ein botanischer
Garten?
Ein Ort, wo Pflanzen sind und
man darüber etwas lernen kann. Wo Pflanzen gesammelt werden. Wo man als
Student, Studentin lernen kann.
Aber das ist nicht alles. Was
genauso wichtig ist: wo man Forschung betreiben kann. Und was auch genauso
wichtig ist: wo man mit der Öffentlichkeit in Austausch treten kann. Wir haben
ganz viele Besuchende, die hier vorbeikommen und sich einfach nur schöne
Pflanzen angucken wollen.
Also: Sammeln von Pflanzen,
Erhalten von Pflanzen, Vermehren von Pflanzen. Zum Teil auch gefährdete Arten,
die man zum Beispiel wieder an den natürlichen Standort bringen kann. Es gibt
ganz viele Funktionen eines botanischen Gartens.
Aber wenn man auf die Frage
einfach nur antwortet, dann ist es eine Lebenssammlung von Pflanzen. Wir haben
ungefähr 4.000 verschiedene Arten in unserem botanischen Garten. Das ist eine
ordentliche Zahl, wenn man sich das überlegt, dass es in Deutschland insgesamt
4.000 unterschiedliche Arten gibt. Aber wir haben natürlich viele, die es in
Deutschland nicht gibt. Wir haben viele Pflanzenarten, die aus der gesamten
Welt stammen: aus den Tropen, aus den Subtropen, aus Wüstenregionen. Deswegen
brauchen wir ja auch so etwas wie ein Tropenhaus, das Viktoriahaus, ein
Kakteenhaus.
Was finden Sie, ist das Beste am Botanischen Garten?
Die vielen Pflanzen, die
tollen Mitarbeiter und die ganz tollen Besucherinnen und Besucher. Und
neugierige und aufgeweckte Kinder und Jugendliche, Schülerinnen und Schüler,
wie ihr das seid.
Was ist das Anstrengendste,
was man im Garten tut?
Wir müssen jedes Jahr im
Frühjahr die Pflanzen, die über den Winter nicht draußen stehen können, weil
sie erfrieren würden, aus dem Lagergewächshaus, der Orangerie, wieder
rausstellen. Die Pflanzenkübel wiegen 100, 200 Kilo. Wenn ihr euch umschaut: Manche
sind wirklich große Pflanzen. Wenn man die aus den Gewächshäusern rausholt und
an den Ort stellt, wo sie den Sommer über sind, ist das eine echt anstrengende
Arbeit.
Bei vielen anderen Sachen
gibt es Hilfsmittel. Rasenmähen war früher sehr anstrengend, da gibt es heute
einen Rasenmäher-Traktor. Äste, Hecken schneiden musste man früher mit einer
Schere machen, da gibt es heute eine Heckenschere, die elektrisch funktioniert.
Welche Pflanze finden Sie am
aufwendigsten?
Kennt ihr die Viktoria?
Ja, ich bin Viktoria.
Dann müssen wir deine Pflanze
mal angucken gehen. Wir haben eine große Teichrose, die Viktoria. Die ist sehr
aufwendig in der Betreuung.
Im Dezember oder Januar wird
ein kleines Samenkorn in ein kleines Aquarium gelegt. Nicht eins, sondern ein
paar. Dort muss dann dieses Samenkorn auskeimen. Das bildet eine kleine
Viktoria. Das sind die Schwimmblätter, die ihr kennt. Wenn das geklappt hat,
muss sie in ein großes Aquarium gesetzt werden, in unseren
Versuchsgewächshäusern. Dort wächst sie dann weiter, und wenn sie gut gewachsen
ist, kommt sie in ein großes Viktoria-Haus. Und dieses Viktoria-Haus muss
vorbereitet werden. In der Mitte ist ein riesengroßer Pflanztopf. Den sehen wir
gerade nicht mehr, weil da jetzt Wasser drüber ist. In den Pflanztopf hinein
muss Erde, Dünger. Dann muss das ganze Becken mit Wasser geflutet werden. Wenn
das Wasser drin ist, kann irgendwann die Pflanze eingesetzt werden. Dann
braucht sie Nährstoffe, viel Licht und warmes Wasser. Das muss man ständig
kontrollieren. Wenn es zu kalt ist, stirbt sie. Sie braucht viel Pflege. Wenn
sie zu viele Blätter hat, muss man die Blätter rausschneiden, damit die
nächsten Blätter wachsen können. Die sind ganz schön pieksig. Im Oktober muss
man die Pflanze runterschneiden und das Wasser ablassen. Dann muss man den
Pflanztopf entsorgen und die Samen einsammeln. Wenn man die Samen hat, lässt
man sie noch zwei bis drei Monate
liegen. Dann werden sie wieder ausgesät. Und das jedes Jahr. Also, richtig
aufwendig.
An welchem Tag arbeiten Sie am
liebsten?
Ich arbeite eigentlich an
jedem Tag gern. Ich komme auch Sonnabend und Sonntag gern. Vor zwei Wochen
hatten wir Pflanzen- und Büchermarkt. Da sind ganz viele Pflanzen verkauft
worden, ganz tolle Pflanzen. Es sind viele tolle Bücher verkauft worden. Manchmal
haben wir auch Kakteenbörse. Dafür kommt man auch gern mal am Wochenende. Oder
wenn ich in meinem Institut einen Versuch machen muss oder etwas anderes.
An welchem Tag arbeiten alle
am liebsten?
Sagen wir mal, das ist nicht
auf den Wochentag bezogen, sondern es ist nicht 35 Grad, sondern vielleicht 22
Grad. Die Sonne scheint nicht zu heiß. Es sind ein paar Wölken da, wo man
draußen nett arbeiten kann. Wo die Arbeitsatmosphäre, das Klima stimmt. Es ist
eher ein bisschen wetterabhängig.
Was machen alle am liebsten
im Botanischen Garten?
Es ist immer eine große
Freude, wenn wir unsere Pflanzen in kleinen Töpfen vorziehen. Wie man das zu
Hause macht, wenn man Tomaten anzieht. Dann muss man sie aussäen, dann pikieren
[= vereinzeln], dann auspflanzen. Das ist etwas, was bei jeder Pflanze anders
ist.
Man kann ein ganzes Beet mit
tollen Pflanzen, mit unterschiedlichen Farben der Blüten künstlerisch gestalten.
Was natürlich keinen Spaß macht, ist das Unkraujäten oder den Rasen mähen,
diese Routineaufgaben.
Spaß macht es, wenn man
irgendwas Neues macht. Wenn man die neuen Samen auslegt, dann sieht man, wie so
ein Samenkorn keimt und wie dieses Samenkorn eine kleine Pflanze bildet. Das
ist toll.
Was ist Ihr Lieblingsteil im
Botanischen Garten?
Das muss man davon abhängig
machen, für was wir diesen Teil verwenden wollen. Wenn ich mit Studierenden im
Botanischen Garten bin, dann finde ich einen Teil besonders toll, wo es ganz verschiedene
Pflanzen gibt. Jede Pflanze gruppiert man in Familien und man sieht an der
Blütenfarbe oder der Blütenform, das sind zwei, die zusammengehören. Da kann
man mit den Studierenden hingehen und die unterschiedlichen Familien erklären.
Wenn ich aber einem Besucher etwas
zeigen möchte, dann gibt es im Bauerngarten besonders schöne Pflanzen. Und wenn
ich es mal ruhig haben will und ein bisschen Entspannung suche, dann gehe ich
am liebsten in den Erweiterungsteil. Der ist auf der anderen Seite. Da gibt es
unten an der Oker einen kleinen Teich, ein tolles Biotop. Da kommen keine
Besucher hin, weil die meisten es nicht kennen. Da kann man sich ganz wunderbar
ausruhen.
Je nachdem, über was ich
gerade nachdenke, gehe ich zu unterschiedlichen Orten, und ja, unser Tropenhaus
ist toll, das Viktoriahaus ist toll, unser Kakteenhaus ist toll, das
Orchideenhaus ist toll, alles ist toll. Also, es gibt eigentlich keinen
Lieblingsteil, sondern immer in Abhängigkeit von dem, was man gerade vorhat,
geht man da oder dorthin.
Haben Sie eine bestimmte
Lieblingspflanze?
Ja, wir haben eine
riesengroße alte Buche, die ist 250 Jahre alt.
Eine ganz verrückte, ans Trockene
angepasste Pflanze, die heißt Welwitschia mirabilis. Schon mal gehört? Die mag
ich auch, weil sie es schafft, an Standorten in der Welt zu wachsen, wo nichts
anderes wächst.
![]() |
| Eine Welwitschia in Namibia. |
Wann wussten Sie, dass Sie in diesem Bereich arbeiten wollten?
In einem botanischen Garten
oder in einem botanischen Institut?
Generell.
Na ja, ich würde denken, da
war ich nicht viel älter, als ihr jetzt seid, da habe ich mir immer schon
vorgestellt, mit Pflanzen arbeiten zu wollen. Also schon Ewigkeiten. Dass man
Biologie studieren konnte, habe ich zu der Zeit noch nicht gewusst, aber dass
man mit Pflanzen arbeiten möchte, das habe ich schon gewusst. Weil das Arbeiten
mit Pflanzen so toll ist. Die Frage warum, ist total klar. Es ist so spannend. Wenn
man sich überlegt: Die werden so alt. Pflanzen werden so groß. Die bilden so
tolle Blüten. Die schaffen es, sich an alle Umweltbedingungen anzupassen. Die
wachsen in der Wüste, die wachsen im Regenwald, die wachsen im Wasser, die
wachsen unter Wasser. Überall. Außer da, wo die ganze Zeit Frost ist.
In was für Berufen arbeitet
man hier eigentlich?
Im Garten sind es natürlich Gärtner
und Gartenmeister. Ich zum Beispiel bin Diplom-Biologe, bin als Hochschullehrer
unterwegs, bin in der Lehre, in der Forschung. Aber man braucht natürlich auch
eine Sekretärin, die ein paar Dinge organisiert. Wir haben auch jemanden, der
sich mit Technik auskennt. Ganz unterschiedlich.
Welche Pflanzen werden am
ältesten?
In unserem botanischen Garten
ist die älteste Pflanze eine Buche. Die ist 250 Jahre alt. Es gibt bei uns in
Mitteleuropa andere Bäume, die auch noch älter werden als Buchen. Das sind zum
Beispiel Eichen und Linden. Die können 500, 600 oder auch 800 Jahre alt werden.
Und es gibt Bäume, die werden auch mal 3.000 oder 4.000 Jahre alt. Das ist aber
eher selten. Es gibt ein paar Mammutbäume, die werden 1.000, 1.500 Jahre alt. Und
es gibt zum Beispiel die Kiefern. Von denen weiß man, wenn die im Hochgebirge
wachsen, wachsen die ganz langsam. Da gibt es wirklich welche, die sind so
4.000 Jahre alt. Wobei es richtig schwer ist, das nachzuweisen, weil man das
kaum noch mit Jahresringen machen kann.
Welche Pflanzen sind eigentlich
am seltensten hier im Garten?
Wir haben zum Beispiel sowohl
im Freiland als auch im Gewächshaus verschiedene Orchideen. Orchideen sind
stark gefährdete Pflanzen und damit sehr selten. Es gibt aber auch viele
Pflanzen, die bei uns in Trockenrasenflächen vorkommen. Oder es gibt Pflanzen,
die eher im alpinen Bereich vorkommen, also im Hochgebirge. Da haben wir auch
einige.
Unsere nächste Frage wäre,
was bieten Sie für Schulen an?
Für Schulen machen wir
einerseits Führungen. Ich hatte letzte Woche eine Schulklasse hier, 13 Jahre
alt, siebte Klasse, glaube ich. Die sind aus Göttingen hergekommen und mit
denen habe ich eine Führung gemacht. Erst waren wir im Hörsaal, da habe ich
eine kurze Vorlesung gehalten. Danach waren wir im Botanischen Garten.
Aber wir haben noch etwas
viel Wichtigeres, wir haben die Grüne Schule. Und da muss man sagen, da muss
man hin. Die ist hinter dem Dienstgebäude der Gärtner und den Gewächshäusern, ein
altes, kleines Fachwerkhaus. Da meldet man sich als Schulklasse an und sagt,
man möchte mit meiner Schulklasse 90 Minuten, zum Beispiel, durch den Garten
laufen und sich Blütenpflanzen angucken.
Ich glaube, das haben wir
auch gemacht mit meiner Klasse. Da
haben wir eine Blüte auseinander genommen.
Wunderbar, Grüne Schule, das
ist genau das.
Was finden Sie am Garten
verbesserungswürdig?
Es gibt zwei Sachen, an denen
wir gerade arbeiten. Wir haben hier den alten Teil des Botanischen Gartens, den
jeder kennt. Und drüben gibt es einen neuen Teil, einen Erweiterungsteil, den
kennt keiner. Im Augenblick, wenn man da hingehen will, muss man über die
Humboldtstraße, dann muss man an einem großen Gebäude der Psychologie vorbei
und noch zweimal um eine Ecke. Keiner findet es. Und man muss über die Straße.
Was wir gerade eben gemacht
haben, ist, das
s wir angefangen haben, einen Weg zu bauen. Den Weg haben wir
bis zur Brücke fertig. Es ist wichtig, dass wir auch den zweiten Weg noch
schaffen, damit wir den Erweiterungsteil verbinden können mit dem alten Teil.
Das werden wir aber erst im nächsten Jahr packen.
Und was auch für mich wichtig
ist, ich weiß nicht, ob ihr das gesehen habt, hier waren früher Treppen. Das
heißt, mit einem Kinderwagen, mit einem Rollator, Leute, die schlecht gehen
konnten, konnte man nie in das Tropenhaus. Da ist jetzt keine Treppe mehr, da
ist eine Rampe. Das heißt, man kann mit jeder Art von Hilfsmitteln runter.
Was wir hier in dem Teil
nicht haben, ist eine behindertengerechte Toilette. Wir haben sie im
Erweiterungsteil, aber da muss man erst rüber fahren. Es wäre schön, wenn wir
auch hier eine behindertengerechte Toilette hinbekommen.
Ansonsten ist unser Garten
ganz toll, wenn ihr da durchgeht, der ist wirklich gut in Ordnung. Wir haben
ein ganz tolles Gärtnerteam, die organisieren alles, sieht einfach toll aus.
Wie lange arbeiten Sie
eigentlich schon hier?
Ich bin in dem Haus seit 1992.
Was ist Ihre Lieblingspflanzenheimat?
Da muss man jetzt ehrlich
sein: Es ist überall toll. Und ich bin überall schon gewesen, aber richtig
auskennen tut man sich eigentlich nur hier. Also, deswegen: Mitteleuropa,
vielleicht hier der Bereich von Niedersachsen, das ist schon toll. Aber ich bin
auch in Nigeria schon gewesen, in Ghana, war also im tropischen Regenwald. Ich
bin in Australien gewesen, habe mir dort die Wälder angesehen, ganz toll. Ich
bin im Permafrostgebiet von China gewesen, großartig. Es gibt wahnsinnig tolle
Gebiete.
Wir haben weltweit 360.000
Arten, sagt man. Und wenn man irgendwo anders hinfährt, dann weiß man plötzlich
gar nichts mehr. Das ist deswegen auch für einen Botaniker schwer.
Was ist Ihre erfolgreichste
Pflanze? Die Seerose oder?
Was meint erfolgreich? Also, dafür
reisen Touristen an? Ja, dann würde ich sagen, das ist die Viktoria. Aber ich
würde auch sagen, dass Orchideen ganz toll sind. Die meisten Leute gucken sich
natürlich eher gerne Dinge an, die man nicht täglich sieht.
Weshalb fährt man zum
Beispiel in einen Zoo? Weil man gerne Giraffen angucken will. Und nicht einen
Hund. Und weshalb fährt man gerne in einen botanischen Garten? Weil man sich
gerne einen Kaktus angucken will, einen Schwiegermutterstuhl zum Beispiel. Oder
die Welwitschia oder die Viktoria, weil man die halt nicht täglich sieht.
Ansonsten muss man natürlich
sagen, wenn man dieses „erfolgreich“ mal anders betrachtet. Dann ist es die Buche.
Wenn wir hier Menschen nicht wären, dann wäre die Buche das.
Arbeiten Sie eher im Team
oder nicht?
Unbedingt im Team. Die Frage
gibt es eigentlich gar nicht. Wenn wir hier im Haus gucken, da gibt es das
Forscherteam. Da hat jeder seine Aufgabe. Der eine ist besser in der einen
Technik, der andere besser in der anderen. Das ist bei dem Gartenteam genau
dasselbe. Der eine ist besser im Gewächshaus, der andere ist besser draußen.
Wie ist der Gründer auf die
Idee gekommen ist, diesen Garten zu eröffnen?
Naja, die Idee ist relativ
einfach. Wir sind eine Uni und wir waren schon immer eine Uni. Die hieß damals
anders, aber im Prinzip eine Lehreinrichtung. Und so, wie man in der Schule
einen Schulgarten braucht, damit man Kindern beibringt, wie man eine Pflanze
anzieht, brauchten wir hier einen Ort, wo man Pflanzen sammeln kann.
Damit man die Pflanzen zum
Beispiel in einer Vorlesung oder einem Praktikum den Studierenden zeigen und
sagen kann, so und so sieht eine Kartoffel aus, oder so wächst eine Tomate. In
dem Fall waren es in der Regel pharmazeutisch wichtige Pflanzen, also
irgendwelche Heilpflanzen, die man angezogen hat. Für die Lehre und für die
Forschung braucht man Material zum Zeigen.
Der Garten ist 1840 gegründet
worden. Also der Garten an dieser Stelle. Der Vorläufergarten ist ein paar
Jahre vorher gegründet worden, 1828. Der war aber nicht hier, sondern auf der
gegenüberliegenden Seite der Oker, da, wo jetzt die AOK steht.
Fotos: WGtarier, Welwitschia: von Ragnhild&Neil Crawford from Sweden - Welwitschia mirablis-1397, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=75659010