Gesellschaftsjahr oder Bundeswehr? Halla Naahmeh und Linus Seiffert (10m1) berichten über die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht, evaluieren Umfrageergebnisse und zeigen Einzelstatements.
Aktuell gibt es in Deutschland keine Wehrpflicht, dennoch erfreut sich das Modell seit jüngsten Diskussionen wieder größerer Beliebtheit. Richtig abgeschafft wurde die Wehrpflicht nicht, sie wurde lediglich ausgesetzt. Der Bundestag könnte sie also theoretisch ohne großen Aufwand wieder einführen, praktisch ist das aber eher unwahrscheinlich.
Die
Welt hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert – und das leider nicht
nur zum Besseren. Weltweit nehmen Konflikte zu, die Anzahl der Demokratien
sinkt und autoritäre Systeme treten wieder stärker auf. Spätestens mit dem
Einmarsch Russlands in die Ukraine im Jahr 2022 schwand auch in Europa das
Gefühl von Sicherheit. Was tun, wenn Russland uns angreift und die USA uns
nicht unterstützen? In der Folge proklamierte der damalige Bundeskanzler Scholz
eine militärische „Zeitenwende“, welche umfassende Investitionen sowie Reformen
für die Verteidigungspolitik bedeutete. Damit wurde der Grundstein für die
politische Ausrichtung bis heute gelegt. Verteidigungsminister Boris Pistorius
betont, Deutschland müsse „kriegstüchtig“ werden, möglichst bis zum Ende des
Jahrzehnts. Er strebt an, die Truppenanzahl deutlich zu erhöhen. Aktuell liegt
sie bei etwa 180.000 Soldaten und Soldatinnen, langfristig werden rund 260.000
bis 280.000 angestrebt.
Seit Kurzem gibt es ein neues, attraktiveres Wehrdienstmodell, welches zunächst auf Freiwilligkeit basiert. Männer eines Jahrgangs erhalten mit dem Erreichen der Volljährigkeit Post von der Bundeswehr und sollen Angaben zu ihrer Bereitschaft machen. Das Verteidigungsministerium betont, dass es zunächst darum geht, einen Überblick über potenziell verfügbare Kräfte zu bekommen. Dadurch ist die Debatte über die Wehrpflicht erneut aufgeflammt, welche nicht nur die Gräben zwischen politischen Lagern, sondern auch zwischen den Generationen vertieft. Während konservative Kräfte und besonders ältere Generationen die Wiedereinführung einer Wehrpflicht für sinnvoll erachten, sprechen sich progressive Kräfte und junge Menschen überwiegend dagegen aus. Diese Annahme wollten wir testen und haben in der Folge eine Umfrage in unserer Altersgruppe zum Thema Wehrdienst / Wehrpflicht durchgeführt.
Umfrage in unserer
Altersgruppe
Zwar sind die Meinungen gemischt, jedoch sprechen sich die meisten (67 %) für eine Erhöhung aus.

Zwar sind auch hier zahlreiche Meinungen vorhanden,
besonders hervor sticht jedoch, dass mehr als ein Drittel (35 %) auf jeden Fall
zustimmt.
Einzelstatements zu der Thematik
Lina Koppe, 10m1
„Meiner
Meinung nach sollte es, wenn es zu einer Pflicht kommen sollte, einen
Wehrdienst nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen geben. So kämen nicht
nur Männer in Berufe der Bundeswehr, sondern auch Frauen, welche so vielleicht
ein zu ihnen passendes und bisher unbekanntes Berufsfeld entdecken könnten.
Deswegen spreche ich mich für eine Gleichstellung der Geschlechter bei einem
Wehrdienst, ob verpflichtend oder nicht, aus. Jedoch sollte auch alternativ die
Möglichkeit für ein soziales Pflichtjahr bestehen bleiben. “
Martino Rossi, 11c
„Menschen im Kriegsfall zum Töten oder zur Beihilfe zum
Töten zu verpflichten, widerspricht aus meiner Sicht jeglichem moralischen
Grundsatz. Beim Bund zu dienen, heißt aber genau das: im Kriegsfall Menschen zu
töten – ob im Schützengraben, im Flugzeug, im Lager oder im Büro. Egal, wo man
eingesetzt wird: Man tötet Menschen oder hilft dabei. Dazu kann man keinen
Menschen zwingen!“
Linus Seiffert, 10m1
„Meines Erachtens stellt die Wiedereinführung einer
Wehrpflicht keinen sinnvollen Ansatz dar. Eine Pflicht erzeugt zwar kurzfristig
Zahlen, jedoch kein dauerhaftes Engagement und keine Identifikation mit dem
Dienst. Junge Menschen wie wir sehnen uns nach Selbstbestimmung – und dieses
Streben ist keineswegs verwerflich. Gleichzeitig wäre es Augenwischerei zu
behaupten, die Sicherheitslage habe sich nicht verändert. Deshalb bedarf es
moderner Anreize statt einer bloßen Rückkehr zur Pflicht.“
Foto: Regina Ratke, IPPNW, CC BY-NC-SA 4.0, Bildausschnitt verkleinert.



















