Freitag, 10. Dezember 2021

Wählen mit 16

Jede Stimme zählt! Anna Lenja Epp über die Herabsetzung des Wahlalters bei Bundestagswahlen.



Die Bundestagswahl ist mittlerweile zwei Monate her, das neu gebildete Bündnis aus SPD, Grünen und FDP hat zuletzt seinen Koalitionsvertrag vorgestellt. Darin enthalten ist auch die Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre für die Wahlen zum Europäischen Parlament und zum Deutschen Bundestag. Das heißt, dass in Zukunft alle Menschen ab 16 die Berechtigung haben sollen, zu diesen Wahlen ihre Stimme abzugeben.

Bisher ist das Wahlrecht noch an die mit 18 Jahren erreichte Volljährigkeit gekoppelt, weshalb bei der letzten Bundestagswahl auch nur Menschen im Alter von 18 und älter wählen durften. Ich selbst war zum Zeitpunkt der Wahl erst 16 Jahre alt, durfte also nicht wählen gehen, obwohl ich dies sehr gern getan hätte. Meine Stimme blieb dadurch ungehört.

Doch was wäre passiert, wenn auch jüngere Menschen, die nicht zur Wahl berechtigt waren, hätten wählen dürfen? Und ist es überhaupt legitim, das Wahlalter an die Vollendung des 18. Lebensjahres zu koppeln?


Dass das Wahlalter auf Bundesebene auf 18 Jahre festgelegt ist, liegt vor allem daran, dass mit diesem Alter die Volljährigkeit und damit die Mündigkeit einhergeht. Gegen eine Herabsetzung des Wahlalters spricht demnach, dass Jugendlichen wie mir weder zugetraut wird, sich wirklich für Politik zu interessieren, noch, auf Basis ihres bisher erworbenen Wissens eine fundierte Entscheidung treffen zu können.

Doch nehmen wir mal an, ich wäre zur Bundestagswahl wahlberechtigt gewesen, hätte allerdings kein Interesse daran gehabt, wählen zu gehen. Wahrscheinlich wäre ich einfach zu Hause geblieben, genauso wie es auch Nichtwähler*innen über 18 tun. Es tut folglich nicht not, allen Menschen im Alter von 16 oder 17 Jahren das Wählen zu verbieten, nur weil manche angeblich uninteressiert sind. Vielmehr sollten wir doch selbst entscheiden können, ob wir wählen gehen möchten oder nicht.

Des Weiteren ist es wahrscheinlich, dass das Interesse an der Wahl bei einer Wahlberechtigung zunimmt. Weshalb sollten sich Menschen, die nicht berechtigt sind, ihre Stimme abzugeben, auch zwangsläufig schon mit sämtlichen Themen der Politik auseinandersetzen?


Überhaupt macht es keinen Sinn, die Jugend an sich als homogene Gruppe in der Gesellschaft wahrzunehmen. Genau wie andere Altersgruppen haben auch wir unterschiedliche Meinungen, die wir zum Ausdruck bringen möchten. Insbesondere über Themen, die unsere Zukunft betreffen, sollten wir doch selbst entscheiden dürfen. Es gibt keinen Grund, weshalb wir nicht selbst mitentscheiden dürfen. Insbesondere, wenn man sich die Altersverteilung bei der letzten Bundestagswahl ansieht, fällt auf, dass ältere Generationen sowieso schon deutlich stärker vertreten sind: Von 60,4 Millionen Wahlberechtigten waren laut Bundeswahlleiter nur 8,7% unter 30, aber 12,8% über 70. Dies führt dazu, dass insbesondere Themen wie der Klimawandel, die die Zukunft betreffen, unter den Tisch fallen. Dabei müsste besonders hier schon jetzt gehandelt werden!

Wenn Jugendliche ab 16 wählen dürfen, müssen auch die Wahlprogramme mehr an den Interessen von Jugendlichen ausgerichtet werden. Eine Partei kann also in Zukunft nicht mehr ausschließlich die Interessen Älterer wiedergeben und darauf setzen, trotzdem den gleichen Anteil an Stimmen zu bekommen. Sie muss sich mit Jugendlichen als Gruppe von Wähler*innen auseinandersetzen. Denn erst wenn wir wählen können, können wir nicht mehr überhört oder übersehen werden. Dann muss uns die Politik wahrnehmen.


Wir sehen also, dass das Wahlrecht ab 16 ein wichtiger Schritt dazu ist, die Meinungen von Jugendlichen stärker zu repräsentieren und zu respektieren. Schließlich wartet die Zukunft nicht, bis wir 18 sind!


Bildquelle: pixabay.com



Montag, 6. Dezember 2021

Psychologie-Akademie

Freu‘ dich des Lebens - ein Erfahrungsbericht über die Psychologie-Akademie von Iman Sibai.





„Wie werden wir Menschen glücklich? Wie können wir unsere Emotionen verstehen und beeinflussen? Welche Kreativtechniken sind am besten, um neue Ideen zu generieren? Wie nutzen wir unsere Stärken besser? Wie können wir uns jeden Tag inkrementell* verbessern? Wie führen wir bessere Gespräche? Welche Überzeugungstechniken funktionieren wirklich? Haben wir Willensfreiheit? Woher kommt das Bewusstsein des Menschen?“ (Psychologie Akademie 2021)

In den Herbstferien nahm ich an einem Online-Seminar der Psychologie-Akademie für Schüler und Studierende teil. Das Seminar wurde über unsere Schule durch Herrn Dr. Nowak an uns vermittelt.

Rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die über ein Bewerbungsverfahren ausgewählt wurden, fanden sich zuvor am Abend des 22. Oktobers zu einem Kennenlernen im Rahmen eines Zoom-Meetings zusammen.

Verschiedene international agierende, junge, aber sehr erfahrene Experten aus den Bereichen der Psychologie, Philosophie und den eng verwandten Neurowissenschaften und der Psychotherapie sowie der Ökonomie, Politik, Linguistik und Mathematik referierten über zwei volle Seminartage. Wir Teilnehmenden wurden interaktiv, unter anderem durch Breakout-Sessions (Gruppenarbeit), eingebunden, in denen wir zum Beispiel ein möglichst erfolgreiches Start-Up gründen mussten oder darüber debattierten, wie man eine dankbare und zufriedene Lebenseinstellung erreichen kann.

Die Psychologie ist die Lehre des Geistes. Basierend auf dem Akronym** „GEIST“ beschäftigten wir uns insbesondere mit der Psychologie des Glücks, der Emotionen, der Ideen, der Stärke und der Transformation. Neben theoretischen Grundlagen, wie dem Zusammenhang zwischen der Psychologie und Philosophie beziehungsweise Politik, lernten wir die Anwendung der Psychologie im Alltag kennen, wie man beispielsweise wirksame Überzeugungstechniken anwendet oder die Psyche eines Menschen analysiert.

Ganz besonders hat mich die Psychologie der Ideen angesprochen, wo wir vor dem Hintergrund weiterer Disziplinen, zum Beispiel Mathematik oder Philosophie, erarbeitet haben, welche Faktoren Einfluss auf die Entwicklung von Ideen haben. Das haben wir auch anhand von Rätseln oder Aufgaben angewandt, die kreatives und originelles Denken erfordern. Eine bestand darin, einen grammatikalisch logischen Satz aus den Anfangsbuchstaben des Alphabets in chronologischer Reihenfolge zu bilden.

Mein Satz lautet:
Alle Bären campen dank einiger flinker, grünkohlliebender Hasen, indem Jazz knatternd laufend musiziert, nachdem ohne Panik Quallen restliches Sushi tiefkühlen und vogelartige Wachteln xylophonspielende Yaks zerfleischen.

Was wäre Eure Idee dazu?

Ziel des Seminars ist es, eine Community junger, an der Psychologie interessierten Menschen europaweit aufzubauen, die sich regelmäßig austauscht.

Durch die Psychologie-Akademie ist mir umso mehr bewusst geworden, wie vielfältig und lebensnah die Psychologie ist und wie sehr wir ihre Techniken und Lehren in unserem Alltag, wenn auch meist unbewusst, anwenden. Ich selbst habe mir nach dem Seminar vorgenommen, mich jeden Tag persönlich ein Stück zu verbessern.

Ich freue mich schon sehr auf das Präsenztreffen im kommenden Frühling!


* schrittweise
** aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter gebildetes Kurzwort


Bild: https://psychologie-akademie.com/