„Die meisten Jüngeren finden das Happy Rizzi House am spannendsten“. Ayham Haj Hammadeh (7a) interviewt die Braunschweiger Stadtführerin Sandra Fülling.
Können Sie uns etwas
über Ihren Beruf als Stadtführerin erzählen?
Natürlich, gerne. Ich freue
mich immer darauf, wenn Gäste hier nach Braunschweig zu Besuch kommen. Manche
gehen ganz spontan in die Touristinfo und fragen, wann ist denn die nächste
Stadtführung? Und manche landen dann bei mir oder bei meinen Kollegen. Oder es
gibt eine Lehrerin zum Beispiel, die anruft und gerne eine Führung über
Heinrich den Löwen hätte und über das Mittelalter in Braunschweig.
Hatten Sie schon mal
negative Erlebnisse bei Stadtführungen?
Da muss ich ein bisschen
überlegen. Richtig negativ noch nicht. Ich hatte bisher immer Glück und nette
Menschen. Vielleicht gab es mal was Lustiges, aber richtig negativ nicht.
Was finden Sie am
besten an Stadtführungen?
Na, auf neue Menschen kennenlernen, die Braunschweig kennenlernen wollen, und ihnen viel über die Stadt erzählen, die mir am Herzen liegt.
Können Sie uns von
etwas Witzigem erzählen, was Ihnen mal passiert ist?
Ja, beispielsweise bin ich
einmal mit einer Gruppe durch die Stadt gegangen und stand mit denen in der
Nähe vom Domplatz. Auf einmal drehte sich meine Gruppe um, ich kriege ja nicht
immer mit, was in meinem Rücken passiert, also, die guckten alle an mir vorbei
und ich dachte, habe ich jetzt was Langweiliges erzählt? Was ist denn da
passiert? Und dann drehe ich mich um und dann stand da eine Frau, die hatte auf
ihrem Wollpullover zwei Wellensittiche. Die saßen da einfach, kleine Vögel, und
sind am Arm auf und ab gekrabbelt und nicht weggeflogen. Die Gäste waren ganz
verzückt und abgelenkt und ich meinte, tja, da kann ich auch nicht mehr
mithalten mit meinem Programm, also, hier sieht man eine Kirche oder so.
Was ist Ihre
Lieblingssehenswürdigkeit in Braunschweig?
Für mich ist das ganz klar
alles, was mit Löwen zu tun hat. Das ist das Aushängeschild von Braunschweig
und ich finde auch den originalen Löwen total beeindruckend. Wenn man dem mal
Auge in Auge im Herzog Anton Ulrich Museum gegenüber gestanden hat, ist es
schon beeindruckend, wie alt der ist.
Können Sie uns mehr
über die Löwen erzählen, was ist so besonders daran?
Das Besondere ist
wahrscheinlich, dass hier schon im 12.
Jahrhundert von Heinrich dem Löwen ein
Denkmal errichtet worden ist, das in der Mitte hohl war. Das wurde hier auf dem
Burgplatz errichtet als erste freistehende Hohlgussfigur. Das ist etwas ganz Besonderes,
weil die Figur die Kraft und die Stärke des Herrschers damals im Mittelalter
symbolisierte, also, von Heinrich dem Löwen. Sie zeigte eben: Ich bin der
Herrscher und ich wohne hier und Braunschweig ist meine Hauptstadt.
Wie sieht Ihr Tag als Stadtführerin aus?
Einen typischen Tag gibt es
eigentlich nicht. Wenn Gäste nach Braunschweig kommen oder eine Lehrerin, eine
Gruppe oder eine Firma eine Führung bucht, ist natürlich nicht jeder Tag
gleich. Die Menschen sagen ja nicht: „Morgen um sieben, übermorgen wieder um
sieben und dann auch noch einmal um sieben.“ Stattdessen haben sie
beispielsweise einen Termin oder eine Veranstaltung in Braunschweig, ein
Meeting oder Ähnliches. Anschließend haben sie vielleicht Mittagspause und
möchten gerne durch die Stadt spazieren und dabei etwas über Braunschweig
erfahren.
Dann buchen sie eine
Stadtführung, beispielsweise bei mir oder bei meinen Kolleginnen und Kollegen.
Das kann am Nachmittag sein, aber während des Lichtparcours in Braunschweig
beispielsweise auch einmal mitten in der Nacht, wenn die Lichter eingeschaltet
sind. Dadurch ist jeder Tag abwechslungsreich und es gibt eben nicht immer das
Gleiche.
Haben Sie noch einen
anderen Job?
Ich mache das sozusagen als
Teilzeitjob. Es gibt in Braunschweig nur wenige, die das als Vollzeitjob machen
können, weil wir nicht so eine große Stadt sind. In Städten wie Hamburg,
München, Berlin, da kann man hauptberuflich Stadtführungen anbieten. Hier gibt
es vielleicht auch welche von meinen Kollegen, ich selbst aber nicht.
Machen Sie auch
Stadtführungen für Leute, die kein Deutsch können?
Ja, es gibt natürlich
englische Führungen, die biete ich auf jeden Fall auch an, und es gibt
natürlich auch ganz viele andere Sprachen, die angeboten werden, leider nicht
von mir. Ich habe mal versucht, spanische Führungen anzubieten, denn ich habe
mal in Spanien gelebt. Aber wenn man die Sprache nicht jeden Tag benutzt, dann
ist das weg und man erzählt nur komische Sachen, wenn Leute vor einem stehen,
die die Sprache können.
Kommen eher mehr deutsche
Gäste oder eher nicht deutsche?
Das ist inzwischen sehr
gemischt. Aber viele trauen sich noch nicht, eine ganz deutsche Führung
mitzumachen. Ich glaube, es sind immer noch mehr, die nach Braunschweig kommen
und eine Führung auf Deutsch möchten, in anderen, großen Städten ist das vielleicht
anders. Da gibt es bestimmt mehr internationale Gäste.
Wie alt sind Sie denn?
Ich bin 53.
Wie kann man Stadtführer
werden? Muss man studieren?
Man muss dafür bisher noch
nicht studieren. Die Ausbildung habe ich vor etwa zehn Jahren gemacht und sie
dauerte ungefähr ein Dreivierteljahr. Das war auf Deutsch und Englisch und man
musste eine richtige Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer ablegen. Man
hat einen Probenrundgang gemacht und musste eine theoretische Prüfung ablegen.
Hinterher bildet man sich natürlich selbst weiter. Ich habe aber auch etwas
studiert, was mir hier weiterhilft. Ich komme aus der Touristik und habe früher
im Reisebüro gearbeitet.
Was gefällt den Leuten, die
Brauschweig zum ersten Mal besuchen, am besten?
Ich glaube, die meisten
Jüngeren finden das Happy Rizzi House am spannendsten. Die sagen, boah, das ist
ja toll, das gibt es ja nirgendwo anders. Das habe ich schon von vielen gehört.
Viele sind aber auch vom Löwen begeistert oder vom M
agniviertel, weil das da so
schöne alte Gassen hat, oder sie schwärmen vom Altstadtmarkt. Das ist auch
etwas, was mir richtig am Herzen liegt.
Okay, das war es. Danke
schön.
Ja, gerne.
Fotos: Ayham Haj Hammadeh, Sandra Fülling (Porträt).




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