„Ich suche Motive, die die Leute irgendwie berühren und irgendwas mit dem Ort machen.“ Sumeja Bangoji und Neva Nur Gültas (12. Jahrgang) im Gespräch mit der Graffiti-Künstlerin Myra Martin, die mit Philip Pohl alias Pinky Ponko und Robert Wollschlaeger das Graffiti-Projekt am WG geleitet hat.
Wie bist du zum Graffiti gekommen? Was hat dich daran fasziniert und weißt du noch, wie dein erstes Graffiti aussah?
Ich
habe tatsächlich über Workshops angefangen. Das erste Mal mit neun. Bei einem
Sommerfest in einem Flüchtlingsheim wurde eine Wand mit einer Unterwasserwelt
angemalt. Da habe ich einen orangenen Fisch gemalt. Und dann mit 14 habe ich
wieder einen Workshop mitgemacht und irgendwann richtig angefangen und öfter
gemalt.
Was ich faszinierend fand: Ich hatte vorher schon total viel naturalistisch gezeichnet, mit Bleistiften oder Buntstiften, aber halt immer nur auf DIN-A4-Papier zu Hause, alleine im Zimmer oder wo auch immer. Plötzlich so eine große Wand anzumalen, fand ich sehr toll.
Und
gab es jemanden, der dich besonders inspiriert oder beeinflusst hat?
Philipp
von Zitzewitz ist quasi mein Graffiti-Papa. Philipp hatte mich damals gefragt,
ob ich zum Workshop kommen möchte, und mir die ersten Sachen gezeigt. Der ist auch
einfach als Person mega chillig. Und ich dachte: „Krass, so ein Leben kann man
führen?“
Philipp
ist der Mentor von Melina Grasso, und Melina hat mich an die Hand genommen. Sie
hat mich sehr geprägt und wir sind auch supergut befreundet. Zweimal habe ich
bei ihr einen Workshop mitgemacht. Dann hat sie mich gefragt, was ich gern
werden möchte, und meinte: „Ich mache jetzt bald mein Bachelorprojekt von der
Uni (Experimentelle Gestaltung, Hochschule Hannover). Hast du Bock, da mitzumachen
und mir zu helfen?“
Sie hat
mich nach Flensburg eingeladen und wir haben zusammen – ich konnte mich dafür
von der Schule freistellen lassen – zwei lange Wochenenden daran gearbeitet.
Danach hat sie mich immer mehr zu Aufträgen mitgenommen und irgendwann,
zwischen meinen Abi-Prüfungen und dem Abi in der Hand, hatte ich meinen ersten
Auftrag. So hat es gestartet, ich habe ein Kleinunternehmen angemeldet und
gelernt, wie man Rechnungen schreibt. Ich kam vom Dorf und das Projekt kam in
die Zeitung und plötzlich waren da viele andere Leute, die gesagt haben: „Sowas
hätte ich auch gerne an meiner Garage.“ Genauso ging es los, dass ich irgendwie
auf eigene Beine kam.
Ich
komme auf jeden Fall aus dem Naturalistischen. Ich wollte am Anfang Dinge so
darstellen wie in echt. Dann habe ich ausprobiert: Was passiert, wenn ich andere
Farben nehme? Oder die Farbe runterlaufen lasse?
Gerade
denke ich mehr über die Motive nach. Letztens habe ich meine Oma und ihren Bruder
an eine sehr große Wand gemalt, in Broitzem. Ich frage mich sehr, was Bilder
mit dem Raum und den PassantInnen machen. Weil gerade ältere Menschen ja sehr
aus der Gesellschaft gedrängt werden, oft keine so „sinnvolle“ Rolle mehr
einnehmen und daher separiert werden. Und dann den beiden so viel Raum zu geben.
Und sie sind da so fröhlich auf der Fassade. Und es ist ja auch total schön,
alt zu werden, was meist so negativ geframed ist. Vorletzte Woche habe ich zwei
befreundete Personen gemalt, die nun kuschelig an einem Ort an der Straße rumliegen.
Ich suche Motive, die die Leute irgendwie berühren, ja irgendwas mit dem Ort machen. Da bin ich so auf der Suche.
Wie
entsteht ein Graffiti bei dir normalerweise? Woher bekommst du deine Idee?
Oft
suche ich nach Fotos, die ich selbst gemacht habe, weil ich schon größtenteils
eine Referenz brauche. Manchmal male ich auch eine Zeichnung. Irgendwas aus meinem
Leben. Ich suche nach Erlebnissen, an die ich eine Erinnerung habe, oder
Menschen, mit denen ich etwas verbinde.
Ich
habe mal in Halle-Neustadt mit zwei Friends rumgehangen und es kam ein Mädchen
und hat mit uns gespielt. Wir haben die ganze Zeit Purzelbäume und Radschläge
gemacht zwischen den Plattenbauten. Dann habe ich sie gezeichnet und später an eine
Wand gemalt in Lüneburg.
Es
war verwunderlich, dass sie so offen war und da einfach alleine rumspaziert
ist. Vielleicht hatten ihre Eltern nicht viel Zeit für sie. Sie musste zum
Essen nach Hause gehen und kam nochmal kurz mit einem Briefumschlag voll
Konfetti und einem lieben Zettel drin herunter. Das hat mich berührt.
Viele
Menschen verbinden Graffiti immer noch mit illegalem Sprayen und auch
Vandalismus. Warum, glaubst du, ist dieses Bild so verbreitet? Und wie würdest
du dir wünschen, dass Graffiti stattdessen wahrgenommen wird?
Es
kommt ja auch aus dem Illegalen. Es kommt aus New York, aus der Bronx. Da war
Schutt und Asche. Es war gewaltvoll.
Und
dann haben Kinder angefangen, ihren Namen in die Gegend zu schreiben. Das ist
so ein „Sich-gesehen-fühlen“ und irgendwie eine Wut oder eine Rebellion. Und es
wurde angefangen, Züge anzumalen. Die weiter fahren als die eigenen Füße
laufen. Es ist auch ein Akt des Infragestellens: wem der Raum gehört, der
öffentliche Raum, und wem Häuser gehören.
Das
ist dieser Graffiti-Geist.
Da gibts auch einige in der
Szene, die Street-Art blöd finden, wegen Gentrifizierung. Und weil es als
Mittel gegen Graffiti verkauft wird.
Es gibt viele Leute, die,
wenn ich an der Wand stehe, vorbeikommen und sagen: „Das ist aber toll, das ist
Kunst und hoffentlich wird es nicht übersprüht.“ Und „diese blöden
Schmierereien“.
Ich
finde es schade, dass so ein Kontrast aufgemacht wird. Gäbe es keine Tags und
kein illegales Graffiti, würde es auch niemals diese Wandmalereien geben – oder
nicht mit der Sprühdose, weil die Dosen ja überhaupt erst aus Ersterem heraus
entwickelt wurden.
Es
gehört schon auch eng zusammen. Es gibt viele, die aus dem Illegalen kommen und
dann irgendwann anfangen, auch Aufträge zu malen. Das wird oft weggedacht.
Und
wie würdest du dir wünschen, dass Graffiti wahrgenommen wird?
Ich
wünsche mir, dass ein größeres Verständnis da wäre. Weil ich in Halle, wo ich
studiere, öfter in Gegenden unterwegs bin, wo die Leute Street-Art doof finden
und wütend sind. Und das ist gar nicht so toll für mich, es sind schon
verschiedene Welten: Graffiti, Aufträge und Festivals. Und irgendwie ist es doch
schön, dass man so viel mit der Dose machen kann. Es geht einfach darum, dass
Leute ihre Freude daran haben und ihr Ding machen können.
Wo
liegt für dich persönlich die Grenze zwischen Graffiti als Kunst und Graffiti
als Vandalismus?
Ich
finde es schon ultra interessant, dass verschiedene Menschen auf einer Fläche im
öffentlichen Raum miteinander interagieren. Die Komposition. Ich mag es
persönlich auch, wenn es nicht so clean ist.
Und
die Frage ist auch: Was ist Kunst?
Wenn
ich Kaffeetassen male, sagen die Leute auch immer: „Das ist Kunst“, aber es
fühlt sich mehr wie ein Handwerk an.
Ich
studiere Kunst an der Uni. Da gibt es Profs, die sagen, ich soll mit Sprühen
aufhören, weil das meine künstlerische Entwicklung negativ beeinflusst.
Andererseits merkt man, dass Graffiti immer mehr Einfluss auf die
Galeriekunstwelt hat und mehr Arbeiten dort ihren Raum finden, auch mit
illegalem Hintergrund. Dass es da eine Kunstszene gibt.
Auf
jeden Fall sauspannende Fragen, weil es auch Fragen sind, die ich mir gerade
selber stelle. Ja, ich glaube, ich würde das gar nicht so trennen.
Gibt es deiner Meinung nach genug Möglichkeiten für Graffiti-Künstler oder -Künstlerinnen, legal zu arbeiten und dann die Kunst zu zeigen? Und kann man damit zum Beispiel die Politik ein bisschen verändern oder auf irgendetwas einen bestimmten Einfluss nehmen?
Es
gibt in vielen Städten legale Wände, Halls of Fame. Von daher gibt es auf jeden
Fall den Space, da hinzugehen und das zu lernen, sich mit Leuten zu treffen und
zu malen. Und man kann auch in der Stadt fragen: „Hey, kann ich ihr Haus
anmalen?“ Dann geben vielleicht Leute nicht unbedingt Geld, aber es ist auch
eine Möglichkeit, wie man zu Flächen kommen kann.
Und
ich glaube, irgendwie hat es schon einen Einfluss. Was meint ihr mit Politik? Vielleicht
keinen sichtbaren Einfluss auf irgendwelche Parteien, aber auf persönlicher
Ebene. Und das kann ja auch sehr politisch sein.
Beispielsweise
dieses Bild, das ich in Broitzem gemalt habe. Da gab es auch einiges an Kritik.
Eine Frau meinte: „Nee, dass ich das da so groß hinmale, das wäre ja irgendwie
– bedrückend.“ Aber eine andere meinte: „Wieso denn? Was ist denn da
bedrückend? Die gucken doch fröhlich.“
Ich verstehe
schon, dass man das Bild ganz anders wahrnimmt, wenn man Angst vorm Älterwerden
hatals wenn man keine Angst hat. Aber das ist dann vielleicht ein Prozess, der
angestoßen wird. Hoffentlich. Auf jeden Fall war das ein Moment, wo ich dachte:
„Okay, krass, da kommen irgendwie Emotionen.“
Kann
man als Graffiti-Künstlerin tatsächlich seinen Lebensunterhalt damit verdienen?
Ja,
ich kenne genug Leute, die das machen. Einige machen auch parallel andere Sachen,
wie zum Beispiel Pinky Ponko oder Philipp von Zitzewitz, über den ich
angefangen habe, der auch noch Filmer ist, oder Melina, die macht es komplett
übers Sprühen und kommt da gut mit aus.
Das
war auf jeden Fall das, was mich mit 14 total beeindruckt hat, weil ich immer dachte:
„Ich will irgendwas mit Kunst machen“, aber halt Richtung Grafikdesign oder
Design oder etwas, womit ich über die Runden kommen kann.
Und dann zu sehen: Alter, es gibt Leute, die davon leben können. Es gibt irgendwie eine Möglichkeit zu überleben und an Essen zu kommen und die sind auch noch ultra entspannt drauf.
Momentan
studiere ich, kriege auch BAföG, von daher bin ich noch nicht darauf
angewiesen, was sehr angenehm ist, weil ich das Gefühl habe, dass ich mich
künstlerisch freier entwickeln kann.
Sind
es eher Privatpersonen, Unternehmen, Städte oder andere Auftraggeber?
Momentan
bin ich eher auf Festivals und Veranstaltungen unterwegs. Die werden dann durch
gewisse Fördertöpfe gefördert oder von Dosen- oder Fassadenfarbenfirmen gesponsert.
Vorher waren es Cafés, Fußballverein, Privatpersonen. Oder halt Workshops geben
über Jugendzentren vor allem.
Was
war bisher dein größter oder ungewöhnlichster Auftrag?
Ich
muss gerade an den Bierguru denken, der wollte Bier und den Schriftzug Guru darüber.
Das Größte war aber kein Auftrag, sondern beim Colour & Soul Festival 2026 diese
Wand der Seniorenwohnanlage vom Paritätischen in der Helene-Künne-Allee, 9 ×
9,7 Meter. Vorher waren die größeren Sachen 6 × 7 Meter.
Ich finde
es immer wieder besonders, wenn man mit Leuten interagiert, die man vorher
nicht kannte. Die irgendeinen Lebensweg haben, von dem man was mitbekommt, und
die unterschiedliche Lebensrealitäten haben. Ich denke an den Alltag eines alten
Pärchens, deren Garage ich angemalt habe.
Was
sind die größten Herausforderungen?
Oh, ich
finde jedes Bild ist eine Herausforderung, weil es immer diesen Punkt gibt, wo
du denkst: „Oh Gott, das wird nichts.“ Dann muss man einfach weitermalen und
merkt irgendwann: „Okay, alles gut, das wird gut.“ Von daher ist jedes Bild ein
kleiner Kampf.
Ich
finde die Vorbereitung auch immer herausfordernd. Mit der Zeit wird das
entspannter, aber ich bin immer mit dem Geld am Abwägen: Ist das zu wenig oder
zu viel? Dass man das Material und alles richtig einschätzt. Oder auch die Kommunikation
mit den Kunden. Kund*innen sind manchmal herausfordernd.
Wie
gehst du mit Kritik an deiner Kunst um?
Jetzt
zum Beispiel in Broitzem: Dass es denen zum Teil nicht gefällt, finde ich erst mal
total spannend und bin neugierig, da mehr herauszufinden. Aber wenn Leute
generell Streetart scheiße finden, dann weiß ich auch nicht so genau, was ich
da machen kann. Es kommt total darauf an, wie Kritik geäußert wird.
Gibt
es Phasen, in denen du durch Kritik oder generell von dir selbst aus keine
Motivation mehr hast?
Ja,
so in diesem Umkreis, wo es weniger positive Resonanz gibt, seit ich umgezogen
bin. In Hannover, wo ich herkomme, hatte ich halt viele Leute, die mich und
das, was ich gemacht habe, voll gepusht haben. Und ein Raum von Leuten, die das
eher doof finden plus Uni – ja, das hat auf jeden Fall meinen Spaß daran
beeinflusst. Ich hatte das Gefühl: „Boah, ich hab keine Lust mehr. Woran kann
das liegen? Das war doch immer meine Prio eins.“ Es ist halt auch ein sehr
gemeinschaftliches Ding. Zum Beispiel jetzt, wie wir den Workshop zusammen
geben, das macht halt 1000-mal mehr Spaß, da zusammen zu stehen. Was ein sehr
schönes Ding ist beim Sprühen. Naja, das war schon blöd, aber dann hat Pinky
mich besucht und dann hat es doch wieder Spaß gemacht, nachdem ich mich über
den ‚Ich glaub, das wird nix‘-Punkt gewagt hab. Dann kamen die Projekte im
Sommer und ich habe gemerkt: Es ist doch das Beste, was man so machen kann. Es
fühlt sich so sinnstiftend an.
Gibt
es etwas Bestimmtes, was du bei einem Projekt oder bei Aufträgen oder generell
vermitteln möchtest? Hast du eine Message?
Bei
Workshops ist es mir total wichtig, möglichst viel Freiraum zu geben. Ich finde
es toll, wenn alles aus der Gruppe kommt. Von außen zu merken, wie eine Gruppe
zusammenarbeiten kann. Ich finde es bei euch allen so heftig, ihr arbeitet so
schön zusammen, fragt immer rechts und links nach, wie das jetzt so passt. Es geht
mir darum, einen Raum zu schaffen, in dem sich alle trauen, sich auszudrücken.
Den Leuten das Gefühl zu geben: „Hey, du kannst das. Probier dich aus.“ Und einen
wertfreien Raum zu schaffen, in dem Menschen sich wohlfühlen. Gruppendynamik
finde ich spannend.
Denkst
du auch, dass Kunst generell und auch Graffiti dabei helfen kann, Selbstvertrauen
aufzubauen, vor allem auch bei Anfängern?
Mir
hat es auf jeden Fall sehr viel Selbstvertrauen gegeben. Vor allem dadurch,
dass ich plötzlich eigenes Geld verdienen konnte und auf eigenen Beinen stand.
Ich habe gemerkt, dass ich mich schon superkrass damit identifiziert habe und
weiterhin tue. Erst war es einfach wie ein neues Medium, aber irgendwie ist da
noch was anderes. Die Leute.
Wie
viel Selbstvertrauen habt ihr beim Sprühen?
Also,
ich muss sagen, am Anfang war es ein bisschen schwierig. Weil es nicht immer so
funktioniert hat, wie man das eigentlich möchte.
Aber
dann hast du uns gezeigt, dass, wenn es runterläuft, das auch eine Art Stil
ist, obwohl es nicht beabsichtigt war. Also, auch wenn es nicht so läuft, wie
man möchte, es trotzdem auf eine bestimmte Art schön aussehen kann. Und dass es
nicht immer perfekt sein muss. Trotzdem würde ich nicht sagen, dass wir es so
direkt richtig gut können.
Ja,
ich würde auch sagen, dass es herausfordernd ist. Anfangs sieht es so aus, als
ob das nichts wird, aber wenn man fast am Ende ist, dann sieht man: Okay, es
ist doch etwas geworden. Dann bin ich schon ein bisschen stolz auf mich.
Ja.
Ich finde, es ist auch voll toll geworden.
Danke!
Wenn du heute auf deinen gesamten Weg zurückblickst, gibt es irgendetwas, was
du als Künstlerin in Zukunft noch planst? Oder möchtest du noch irgendetwas
erreichen beziehungsweise ausprobieren?
Oh,
mein gesamter Weg. Ich bin ja auch erst 21. Das klingt so groß. Gerade bin ich happy
mit dem, wie es ist. Auch, dass Zufälle zu dem und dem geführt haben und ich
jetzt da bin, wie ich gerade bin. Dass so viele Leute mich an die Hand genommen
oder mir Perspektiven geschaffen haben.
Wie zum Beispiel Jascha Müller, der das „Hola Utopia! Street Art Festival“ in Hannover mitgegründet und gefragt hat: „Hey, möchtest du den Workshop nächstes Jahr mitleiten?“, als ich beim Workshop mitgemacht habe. Seitdem bin ich jedes Jahr dabei und assistiere Künstlerinnen und Künstlern und bekomme Flächen zum Malen.
Da
habe ich Lily Brick aus Barcelona assistiert. Da war ich vielleicht 17 und
konnte mich eine Woche von der Schule freistellen lassen und ihr bei der 20
Meter hohen Wand helfen. Sie reist durch die Welt und malt überall Wände an. Das
fände ich schon cool, wenn es mich vielleicht auch woanders hinführt, in andere
Länder, Menschen kennenlernen. Dieses Jahr habe ich das erste richtig große Mural
gemalt. Das fand ich toll und ich würde gerne noch mehr große Sachen malen und
mich weiter vernetzen und Leute haben zum Zusammenmalen, weil das so spaßig
ist.
Gibt
es einen bestimmten Traum oder ein Projekt, das du unbedingt noch verwirklichen
möchtest?
Das
Bild, was ich in Hannover gemalt habe, das hatte ich gefühlt seit einem Jahr im
Kopf. Das ist jetzt schon gemalt. Dieses Jahr ist ein krasses Jahr, die große
Wand habe ich auch gemalt. Ich glaube, ich muss mir jetzt erst mal neue Träume
überlegen. Gerade bin ich ein bisschen am Ausprobieren, noch abstraktere
Elemente mit reinzubringen. Ich mach im Studium sehr andere Sachen, so Richtung
Performance, Film und Zeichnung. Irgendwie habe ich das Gefühl, das jetzt alles
langsam zusammenfindet, und ich bin gespannt, wie es weiter verwächst.
Hast
du noch etwas, was du als Message weitergeben möchtest?
Ja, den Gedanken von „Hey,
ich kann erst mal das machen, was mir Freude bereitet und dann in die Richtung
weitergehen“. Ich habe das Gefühl, es sind so viele Jobs so unsicher mit KI.
Bei so viel Unsicherheit in der Welt, denkt man vielleicht „Ich mach lieber den
sicheren Weg“, aber man weiß sowieso nicht, ob der sicher ist.
Ich probiere jetzt aus, dass ich erst mal das Unsicherere mache. Was gerade
läuft, aber man weiß nicht, wie lange noch Geld dafür da ist.
Es
würde mich freuen, wenn Leute das lesen und sich ermutigt fühlen, dem zu
folgen, was ihnen Freude bereitet.
Es gibt ja viele, die sagen –
auch Leute, die mit mir in der Schule waren – „ich mache lieber was, wo ich
viel Geld verdiene, weil ich mir dann den Urlaub gut finanzieren kann, und das
Andere mache ich in meiner Freizeit“. Ich glaub, das ist auch ein Weg, den man
gut fahren kann, das will ich gar nicht bewerten. Aber mir taugt es auf jeden
Fall sehr, mein Leben möglichst frei gestalten zu können. Ich bin sehr dankbar,
dass ich das so machen kann.
Dann bedanken
wir uns für deine Zeit und auch für das Interview.
Ja, ich
danke auch. Das waren auf jeden Fall die spannendsten Fragen, die mir bisher
gestellt wurden. Also ja, ich fand, ihr habt übel gute Fragen gestellt.
Bilder: Myra Martin, Philipp Pohl, Robert Wollschlaeger, Neva/Sumeja, KI generiert (Info-Bild).












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