Mittwoch, 2. September 2026

Stadtführerin

Die meisten Jüngeren finden das Happy Rizzi House am spannendsten“. Ayham Haj Hammadeh (7a) interviewt die Braunschweiger Stadtführerin Sandra Fülling.

 

Können Sie uns etwas über Ihren Beruf als Stadtführerin erzählen?

Natürlich, gerne. Ich freue mich immer darauf, wenn Gäste hier nach Braunschweig zu Besuch kommen. Manche gehen ganz spontan in die Touristinfo und fragen, wann ist denn die nächste Stadtführung? Und manche landen dann bei mir oder bei meinen Kollegen. Oder es gibt eine Lehrerin zum Beispiel, die anruft und gerne eine Führung über Heinrich den Löwen hätte und über das Mittelalter in Braunschweig.

Hatten Sie schon mal negative Erlebnisse bei Stadtführungen?

Da muss ich ein bisschen überlegen. Richtig negativ noch nicht. Ich hatte bisher immer Glück und nette Menschen. Vielleicht gab es mal was Lustiges, aber richtig negativ nicht.

Was finden Sie am besten an Stadtführungen?

Na, auf neue Menschen kennenlernen, die Braunschweig kennenlernen wollen, und ihnen viel über die Stadt erzählen, die mir am Herzen liegt.

Können Sie uns von etwas Witzigem erzählen, was Ihnen mal passiert ist?

Ja, beispielsweise bin ich einmal mit einer Gruppe durch die Stadt gegangen und stand mit denen in der Nähe vom Domplatz. Auf einmal drehte sich meine Gruppe um, ich kriege ja nicht immer mit, was in meinem Rücken passiert, also, die guckten alle an mir vorbei und ich dachte, habe ich jetzt was Langweiliges erzählt? Was ist denn da passiert? Und dann drehe ich mich um und dann stand da eine Frau, die hatte auf ihrem Wollpullover zwei Wellensittiche. Die saßen da einfach, kleine Vögel, und sind am Arm auf und ab gekrabbelt und nicht weggeflogen. Die Gäste waren ganz verzückt und abgelenkt und ich meinte, tja, da kann ich auch nicht mehr mithalten mit meinem Programm, also, hier sieht man eine Kirche oder so.

Was ist Ihre Lieblingssehenswürdigkeit in Braunschweig?

Für mich ist das ganz klar alles, was mit Löwen zu tun hat. Das ist das Aushängeschild von Braunschweig und ich finde auch den originalen Löwen total beeindruckend. Wenn man dem mal Auge in Auge im Herzog Anton Ulrich Museum gegenüber gestanden hat, ist es schon beeindruckend, wie alt der ist.

Können Sie uns mehr über die Löwen erzählen, was ist so besonders daran?

Das Besondere ist wahrscheinlich, dass hier schon im 12.
Jahrhundert von Heinrich dem Löwen ein Denkmal errichtet worden ist, das in der Mitte hohl war. Das wurde hier auf dem Burgplatz errichtet als erste freistehende Hohlgussfigur. Das ist etwas ganz Besonderes, weil die Figur die Kraft und die Stärke des Herrschers damals im Mittelalter symbolisierte, also, von Heinrich dem Löwen. Sie zeigte eben: Ich bin der Herrscher und ich wohne hier und Braunschweig ist meine Hauptstadt.

Wie sieht Ihr Tag als Stadtführerin aus?

Einen typischen Tag gibt es eigentlich nicht. Wenn Gäste nach Braunschweig kommen oder eine Lehrerin, eine Gruppe oder eine Firma eine Führung bucht, ist natürlich nicht jeder Tag gleich. Die Menschen sagen ja nicht: „Morgen um sieben, übermorgen wieder um sieben und dann auch noch einmal um sieben.“ Stattdessen haben sie beispielsweise einen Termin oder eine Veranstaltung in Braunschweig, ein Meeting oder Ähnliches. Anschließend haben sie vielleicht Mittagspause und möchten gerne durch die Stadt spazieren und dabei etwas über Braunschweig erfahren.

Dann buchen sie eine Stadtführung, beispielsweise bei mir oder bei meinen Kolleginnen und Kollegen. Das kann am Nachmittag sein, aber während des Lichtparcours in Braunschweig beispielsweise auch einmal mitten in der Nacht, wenn die Lichter eingeschaltet sind. Dadurch ist jeder Tag abwechslungsreich und es gibt eben nicht immer das Gleiche.

Haben Sie noch einen anderen Job?

Ich mache das sozusagen als Teilzeitjob. Es gibt in Braunschweig nur wenige, die das als Vollzeitjob machen können, weil wir nicht so eine große Stadt sind. In Städten wie Hamburg, München, Berlin, da kann man hauptberuflich Stadtführungen anbieten. Hier gibt es vielleicht auch welche von meinen Kollegen, ich selbst aber nicht.

Machen Sie auch Stadtführungen für Leute, die kein Deutsch können?

Ja, es gibt natürlich englische Führungen, die biete ich auf jeden Fall auch an, und es gibt natürlich auch ganz viele andere Sprachen, die angeboten werden, leider nicht von mir. Ich habe mal versucht, spanische Führungen anzubieten, denn ich habe mal in Spanien gelebt. Aber wenn man die Sprache nicht jeden Tag benutzt, dann ist das weg und man erzählt nur komische Sachen, wenn Leute vor einem stehen, die die Sprache können.

Kommen eher mehr deutsche Gäste oder eher nicht deutsche?

Das ist inzwischen sehr gemischt. Aber viele trauen sich noch nicht, eine ganz deutsche Führung mitzumachen. Ich glaube, es sind immer noch mehr, die nach Braunschweig kommen und eine Führung auf Deutsch möchten, in anderen, großen Städten ist das vielleicht anders. Da gibt es bestimmt mehr internationale Gäste.

Wie alt sind Sie denn?

Ich bin 53.

Wie kann man Stadtführer werden? Muss man studieren?

Man muss dafür bisher noch nicht studieren. Die Ausbildung habe ich vor etwa zehn Jahren gemacht und sie dauerte ungefähr ein Dreivierteljahr. Das war auf Deutsch und Englisch und man musste eine richtige Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer ablegen. Man hat einen Probenrundgang gemacht und musste eine theoretische Prüfung ablegen. Hinterher bildet man sich natürlich selbst weiter. Ich habe aber auch etwas studiert, was mir hier weiterhilft. Ich komme aus der Touristik und habe früher im Reisebüro gearbeitet.


Was gefällt den Leuten, die Brauschweig zum ersten Mal besuchen, am besten?

Ich glaube, die meisten Jüngeren finden das Happy Rizzi House am spannendsten. Die sagen, boah, das ist ja toll, das gibt es ja nirgendwo anders. Das habe ich schon von vielen gehört. Viele sind aber auch vom Löwen begeistert oder vom M
agniviertel, weil das da so schöne alte Gassen hat, oder sie schwärmen vom Altstadtmarkt. Das ist auch etwas, was mir richtig am Herzen liegt.

Okay, das war es. Danke schön.

Ja, gerne.



Fotos: Ayham Haj Hammadeh, Sandra Fülling (Porträt).