Montag, 16. November 2020

Diskriminierung

Nicht auslachen – egal wen. Lona Ma berichtet über ihre Erfahrung mit Diskriminierung

Auf meiner alten Schule waren ein paar Jungs, die über mich gelästert haben. Immer wenn sie mich sahen, haben sie ganz übertriebenen „Ni Hao!“ gesagt, dazu eine Verbeugung gemacht und mich ausgelacht. ,,Ni Hao“ heißt „hallo“ auf Chinesisch.

Es gab noch andere Chinesen auf unserer Schule, aber sie haben das NUR bei mir gemacht. Ich habe mich natürlich nicht so gut gefühlt, und am nächsten Tag habe ich gedacht: ,,Diese blöden Jungs schon wieder!

Ich habe sie immer wieder ignoriert, doch eines Tages hatte es mich so genervt, dass ich rief: ,,Ey, könnt ihr nicht mal aufhör‘n, euch die ganze Zeit über mich lustig zu machen?“

Eigentlich ist ,,hallo“ kein Schimpfwort und auch keine Beleidigung, aber die Jungs haben wirklich dabei gelacht und mit dem Finger auf mich gezeigt.

Es ist wichtig, dass man sich nicht über andere lustig macht. Und schon gar nicht darüber, dass jemand aus einem anderen Land kommt. Außerdem komme ich nicht mal aus China, sondern wurde in Deutschland geboren, aber vielleicht haben die Jungs mich nur ausgelacht, weil ich so aussehe, als wäre ich in China geboren. Trotzdem sollte man sich nicht über Ausländer und andere lustig machen!

 

Sonntag, 8. November 2020

Corona: Kommentar

Mehr Solidarität! Louis Ostrowski über steigende Fallzahlen und das Verhalten einzelner


Die Infektionszahlen steigen, in den Nachrichten wird von über 20 000 Neuinfektionen in 24 Stunden berichtet. Die Maßnahmen werden immer mehr ausgeweitet, mittlerweile ist wieder ein Teil-Lockdown da.



In diesem ganzen Jahr wurde durch die Politik mehr als oft wiederholt, dass wir Kontakte meiden, uns an die AHA-Regeln halten sollen und dass wir alle für einander verantwortlich sind. Wie kann es dann dazu kommen, dass die Infektionen fast exponentiell ansteigen?



Auch in meinem Umfeld hat sich seit Corona alles geändert, und zwar nicht gerade ins Positive. Im Sommer hat dann jeder ein fast normales Leben gelebt, und Corona war schon fast vergessen. Jetzt ist ein Teil-Lockdown da, und der Staat zahlt Corona-sofort-Hilfen, damit kleine Geschäfte wenigstens eine kleine Chance haben, den Teil-Lockdown zu überleben.


Große Veranstaltungen und Massenversammlungen wie aus dem Sommer sieht man so gut wie gar nicht mehr. Das meiste ist verboten. In meinem Umfeld gibt sich wirklich jeder größte Mühe, alles so gut wie möglich zu machen.


Dann aber sehe ich zu meinen Nachbarn hinüber, welche frisch eingezogen erstmal eine Einweihungsparty mit über zehn Personen feiern. Seitdem feiern sie wirklich jeden Abend mit immer neuen fremden Personen.


Ich kenne so viele Menschen, die sich wirklich viel Mühe im Bezug zu Corona geben, und wegen solchen Menschen werden dann die eingeschränkt, welche sich größte Mühe geben?


Die Nachbarn feiern weiterhin unbeirrt. Das heißt, dass fremde Menschen über die Freiheit anderer Menschen entscheiden (im Bezug auf den Lockdown). Verhalten sich diese Personen in irgendeiner Form noch demokratisch oder solidarisch?


Den meisten Einfluss haben Personen wie meine Nachbarn. Ich finde es traurig, dass die Vernunft, die meistens in der Öffentlichkeit gezeigt wird, an Haustür abgelegt wird wie die Schuhe.



Bildquelle: https://www.zusammengegencorona.de/informieren/ (Bundesgesundheitsministerium)

Samstag, 7. November 2020

Fünfter Klimastreik in Braunschweig

Der 25.09. Ein Bericht von Anna Lenja Epp zum fünften globalen Klimastreik

24. September 2020. Nun sitze ich also hier. Es ist 19.20 Uhr am 24. September 202
0. Ein Tag vor dem fünften globalen Klimastreik der Fridays-for-Future-Bewegung. Nahezu alle Punkte auf meiner To-Do-Liste sind abgehakt und trotzdem fühle ich mich merkwürdig gestresst. Außerdem beschleicht mich das komische Gefühl, etwas vergessen zu haben. Unruhig sehe ich erneut auf meine Liste: Nein, alles erledigt.

Aus dem Lautsprecher meines CD-Players dröhnt irgendwelche Filmmusik, was die Atmosphäre in meinem Zimmer zusätzlich dramatisiert.

Mein Handy blinkt auf. Es ist eine Nachricht aus dem Orga-Team. Ein Sharepic, genauer gesagt. „Globaler Klimastreik 25.09., 16.00Uhr, Schlossplatz Braunschweig“ heißt es darauf. Eine Erinnerung an die morgige Demo. Ich hätte sie auch so nicht vergessen können. Ein letztes Mal gehe ich die Liste der Dinge durch, die ich morgen bei der Demo dabeihaben muss:

• Mein total zugestickertes Megaphon, um mir Gehör zu verschaffen,

• Absperrband, um den Schlossplatz coronakonform abzusperren,

• einen Zollstock, um gegebenenfalls Abstände nachzumessen

• und natürlich mein Demoplakat, das mich schon seit über einem Jahr auf alle Demos begleitet. Ob es stürmt oder schneit (obwohl es bisher auf keiner der Demos, auf der ich war, geschneit hat, ist wohl selbsterklärend), mein Demoplakat ist immer dabei. Dementsprechend sieht es leider mittlerweile auch schon aus. Die Farbe ist verlaufen, der mit Tusche aufgepinselte Baum leicht verwischt. Trotzdem ist die Botschaft noch klar zu erkennen: Geld ist nicht alles!

Alles ist gepackt und steht bereit. Nur der Zollstock hatte bisher noch gefehlt. Doch auch dieser befindet sich jetzt zusammen mit dem Absperrband in einem Jutebeutel. Der nächste Tag kann kommen. Und trotzdem bleibt meine Aufregung auf dem gleichen Level wie vor dem Listen-Check. Da ich erst seit Januar dieses Jahres Teil der braunschweigischen Ortsgruppe von Fridays for Future bin, ist dies abgesehen vom 24.04., der ja als Lifestream stattgefunden hat, mein erster globaler Streik. Da ist meine Aufregung wohl einigermaßen verständlich.

Nicht einmal 24 Stunden später stehe ich, immer noch aufgeregt, mit allem, was ich dabeihaben muss, auf dem Schlossplatz. Zusätzlich zu mir sind bereits zwei andere Aktivistinnen da und die Band hat begonnen, sich einzuspielen. Es ist kurz nach 14 Uhr am 25. September 2020, wir haben noch etwa zwei Stunden Zeit, dann soll die Demo beginnen. Während wir langsam immer mehr Leute werden, schleppen wir Stehtische durch die Gegend und bauen sie auf. An ihnen sollen später Briefe an Politiker*innen geschrieben werden können. Daneben tragen wir kleinere Tische, an denen Windräder und Drachen gebastelt werden sollen. Damit sich die Menge nicht allzu sehr vermischt, stellen wir dazwischen Absperrgitter. Auch das Absperrband ist bereits auf dem Boden festgeklebt. Es ist 16.00 Uhr, die Demo beginnt.

Nachdem die freiwilligen Ordner*innen mit ihren Aufgaben vertraut gemacht worden sind, eröffnet unser Versammlungsleiter die Demo mit einer kurzen Sicherheitseinweisung. Danach spielt die Band ihr erstes Set und ich wusele durch die Menge, um festzustellen, ob ich irgendwem unter die Arme greifen kann. Schließlich lande ich bei Sprühflaschen, die mit Desinfektionsmittel befüllt und beschriftet werden müssen, um die Bastelunterlagen und Stifte an unseren Aktionspunkten desinfizieren zu können. Anschließend suche ich den Wissenschaftler, der nach der Band eine Rede halten wollte. Ich stelle erleichtert fest, dass er bereits neben der Bühne steht und wartet. Nach ihm wird es eine Motivationsrede von einer Aktivistin aus unseren Reihen geben, anschließend werden sich die zwei Demozüge (es gibt eine Lauf- und eine Fahrraddemo) langsam auf den Weg machen.

Schließlich ist es 17.15 Uhr. Die Laufdemo ist bereits losgelaufen, wir Fahrradfahrende haben uns auf der Südseite des Schlossplatzes aufgestellt. Wir müssen langsam losfahren. Endlich sind alle da und wir setzen uns in Bewegung. Zuerst geht es auf die Georg-Eckert-Straße, damit wir genug Platz haben. Wir fahren die Museumsstraße entlang und biegen in die Parkstraße ein. Von da aus gelangen wir auf die Jasperallee, wo uns unser Frontbanner entgegenblickt. Die Laufdemo hat den Schlossplatz von der anderen Richtung aus verlassen und ist über den Steinweg und am Theater vorbei ebenfalls auf die Jasperallee gelangt. Hier laufen wir uns nun auf den verschiedenen Straßenseiten entgegen, zwischen uns die Baumreihen. Gemeinsam machen wir ordentlich Lärm. Ich rufe Demosprüche wie „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut“ in mein Megaphon. Es hallt aus der Menge zurück. Von den vielen verschiedenen Demosprüchen, die durch die Luft fliegen, ist einzeln nicht sonderlich viel zu verstehen, doch insgesamt ist mehr als deutlich, was wir meinen. Der Moment ist schnell vorbei, wir fahren weiter.

Unser Weg führt uns einmal quer durch die ganze Stadt, am Kohlekraftwerk vorbei und wieder zurück. Während wir daran vorbeifahren, werden wir nochmal lauter und rufen „Nie, nie, nie wieder Kohle“ und „Apfelsaft statt Kohlekraft“. Der letzte Spruch ist eigentlich ein Scherz. Bei irgendeiner Demo hat ihn ein noch etwas kleineres Kind gerufen und jemand hat ihn übernommen. Seitdem schallt er auf so ziemlich jeder Demo über den Schlossplatz und durch die Straßen.

Schließlich sind wir wieder vor dem Schloss. Der andere Demozug ist noch unterwegs, kommt aber kurze Zeit später an. Es wird noch eine Rede von unserem Arbeitskreis Forderungen gehalten, dann klingt die Demonstration langsam aus. Ich sitze in einem Pavillon, wo Demonstrant*innen sich gegen eine Spende Buttons mit unserem Logo mitnehmen können. Immer mehr Leute gehen und lassen den leeren Schlossplatz zurück.

Die anderen aus dem Orga-Team und ich beginnen, alles aufzuräumen, was wir vorher aufgebaut haben. Die Demo ist vorbei, der Tag geht zu Ende.

Mittlerweile ist es knapp 20.00 Uhr. Ich fahre erschöpft aber zufrieden nach Hause. Meine Aufregung legt sich. Der Tag war lang, doch ich finde, dass sich der ganze Aufwand definitiv gelohnt hat. Jetzt muss nur noch die Energiewende klappen.

 

Freitag, 14. Februar 2020

Fridays for Future - Abschluss der Interviewreihe

„Wir sind alle in der Pflicht“. Abschluss der Interviewreihe über Fridays for Future von Jan-Marten Kleine-Besten.

Als ich die Idee für diese Interviewreihe hatte, waren Menschen auf der ganzen Welt, wie auch in Deutschland, bei Demonstrationen im Rahmen der Fridays-for-Future-Bewegung aktiv. Viele Tausend Schülerinnen und Schüler gingen freitags auf die Straße, um in Gemeinschaft auf das Problem des Klimawandels aufmerksam zu machen und sich zu engagieren.

Die damals 15 Jahre alte Greta Thunberg setzte die Demonstrationen in Gang, als sie sich das erste Mal am Freitag, den 20. August 2018, vor das schwedische Reichstagsgebäude in Stockholm setzte, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen. Mit der Botschaft „Schulstreik fürs Klima“ sorgte sie weltweit für Aufmerksamkeit. Anschließend wurde ihr Anliegen durch die Medien weiterverbreitet. Schon bald begannen erste größere Demonstrationen auch in Deutschland. In Braunschweig fand auf dem Schlossplatz die erste Fridays-for-Future-Demonstration im Februar 2019 statt. Aber nicht nur Schülerinnen und Schüler beteiligten sich an den Demonstrationen, sondern auch Studentinnen und Studenten und bald auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter dem Motto „Scientists for Future“.

Doch wie stellen sich Mitglieder von Fridays-for-Future-Demonstrationen, Politiker oder die Umweltbeauftragte unserer Schule Klimaschutz/Umweltschutz in Zukunft vor? Was unternehmen Sie vielleicht heute schon, um die Umwelt zu schützen oder den Klimawandel einzudämmen?

Das erste Interview habe ich mit Christoph Bratmann, Vorsitzender des Schulausschusses im Stadtrat in Braunschweig, geführt. Aus seiner Sicht könne jeder etwas für den Umweltschutz tun, keiner sei dabei aus der Verantwortung zu nehmen. Doch er beteuert auch, dass das ganze Problem nur global zu lösen sei: „Global betrachtet hängt vieles an den USA, China und Indien“. Trotzdem seien die Europäer nicht aus der Verantwortung. In Braunschweig seien viele Entscheidungen in die richtige Richtung getroffen worden, indem sich die Löwenstadt zum Beispiel zur Umgestaltung von 16 Hektar Fläche für Wildbienen ausgesprochen hat. Herr Bratmann nutze, sofern möglich, auf Dienstfahrten öfters Alternativen zum Auto.

Für die zweite Interviewpartnerin Antje E. Kapsch, Lehrerin und Mitwirkende für Umweltschutz an unserer Schule, sind in der Zukunft vor allen Dingen Projekte im Bereich der nachhaltigen Bildung sowie die Verringerung des Ressourcenverbrauchs wichtig. Sie selber beteiligt sich bereits jetzt an Projekten für mehr Umwelt/-Klimaschutz. Im Rahmen des Projektes „WeGo for future - tomorrow is now“ engagiert sie sich unter anderem an unserer Schule. Die Repair-AG unserer Schule erwähnte sie ebenfalls als eine gute Möglichkeit für mehr Ressourcenschutz. In Zukunft würde sie sich vor allen Dingen einen geringeren Ressourcenverbrauch sowie eine frühe nachhaltige Bildung wünschen.

Aus der Sicht von Moritz von Bachmann, Co-Organisator der Fridays-for-Future-Demonstrationen in Braunschweig, sei zunächst erst einmal die Politik in der Pflicht. Gesetze und Initiativen könnten laut Moritz viel zum Umweltschutz beitragen. Er wünscht sich in Zukunft von Politikern weniger Pseudo-Klimaschutz, anstatt echte Veränderungen anzuregen. Für Moritz von Bachmann ist die Reduzierung von Treibhausgasen ein fester Bestandteil seiner Lebensweise geworden, indem er zum Beispiel Second-Hand-Kleidung kauft oder das Verkehrsmittel für seinen Schulweg verändert hat.

Zum Schluss möchte ich den Appell von Volker Ovelgönne, Direktor des WGnennen, der an die Schülerschaft ein Statement per E-Mail zu den Fridays-for-Future-Demonstrationen abgegeben hat. Er stellte heraus, dass die Folgen des Klimawandels vor allem uns als Schülerinnen und Schüler als die „Generation Z“ betreffen.

Aus meiner Sicht hat die Interviewreihe unterstrichen, wie wichtig das Thema Umweltschutz in der Gesellschaft geworden ist. Dabei haben die Fridays-for Future-Demonstrationen den Gedanken zunächst verbreitet und anschließend in der Gesellschaft gestärkt. Es steht für die meisten Menschen heutzutage außer Frage, sich zum Beispiel mit dem eigenen CO2-Fußabdruck beschäftigen und in Zukunft Veränderungen an der eigenen Lebensweise vorzunehmen.

Mir selbst ist durch die mediale Aufmerksamkeit zum Thema bewusst geworden, wie viel jeder einzelne Mensch täglich durch vermeintlich „normale“ Tätigkeiten, wie zum Beispiel den Weg zur Schule oder zur Arbeit oder die eigene Ernährung, die Auswirkungen auf das Klima/die Umwelt, sowohl ins Positive als auch ins Negative verändern kann. Nun wird es spannend werden, welche Ideen zur Eindämmung des Klimawandels sich umsetzen bzw. weiterführen lassen.

Wichtig ist für mich der Gedanke geworden: Jeder von uns kann etwas zu Veränderungen für unsere künftige Umwelt/das zukünftige Klima beitragen, ganz im Sinne des folgenden Zitats:

„Sei du selbst die Veränderung, die du dirwünschst für diese Welt.“

Mahatma Gandhi





Dienstag, 14. Januar 2020

Essay: Klimakrise

Warum wir handeln müssen, jetzt. Von Iman Sibai.

Mein Name ist Iman Sibai. Ich gehe in die zehnte Klasse und werde bald 16.

Unsere Generation ist besonders. Wir haben draußen gespielt, bis die Straßenlaternen angegangen sind. Wir wussten, wie man Kassetten richtig benutzt und hatten gleichzeitig CDs im Regal. Wir kennen noch die original Kinderserien der 90er, bevor sie animiert wurden. Wir sind die letzten Teenies, die ohne digitale, neumodische Geräte aufgewachsen sind und mit Telefonzellen umgehen können, und die ersten, die ein Smartphone benutzen.

Mein kleiner Bruder und ich wurden gleich erzogen, haben aber jeder eine komplett andere Kindheit gehabt.




Ist das nicht unglaublich? Trotz, dass mein Bruder nur sechs Jahre jünger ist, kennt er viele Dinge nicht, mit denen ich aufgewachsen bin. Einfach nur, weil sich die Digitalität und Technik in diesen sechs Jahren gravierend und mit großen Schritten gewandelt hat.

Aber wie wird das in 15 Jahren mit meinen eigenen Kindern sein? Klar, der technische Fortschritt wird sich noch sehr viel weiter gewandelt haben. Darüber mache ich mir aber weniger Sorgen. Die Frage, über die ich mir eher den Kopf zerbreche, ist: Wie werden meine Kinder den weiter fortschreitenden Klimawandel erleben? Wie werden sie aufwachsen, wenn wir den Klimawandel jetzt nicht stoppen?

Der Klimawandel ist im Moment ein stark diskutiertes und allgegenwärtiges Thema. Wir sind so begeistert vom Wandel der Technik, dass wir manchmal den Klimawandel aus den Augen verlieren. Das Klima verändert sich drastisch, das Eis in der Antarktis schmilzt, der Meeresspiegel steigt, Tierarten sterben aus, Mikroplastik schleicht sich in unsere Konsumgüter, der Regenwald am Amazonas wird zerstört, der Winter bleibt aus, Australien brennt, wir aber schenken lieber einem brennenden Gebäude unsere Aufmerksamkeit und das Kapital zum schnellen Wiederaufbau – wie zum Beispiel Notre Dame in Paris.

Politiker diskutieren, aber bringt das viele Reden letztendlich auch etwas? Wohl kaum können bloße Worte die Welt retten, anstatt dass wir aber etwas dagegen tun, versuchen Forscher herauszufinden, auf welchen Planeten noch wir überleben können. Was bringt uns das? Wir müssen lernen, Probleme zu lösen und sie nicht einfach beiseite zu schieben, als würde es sie nicht geben.

Ich habe Angst davor, Kinder unter solchen Bedingungen auf die Welt zu bringen. Es tut mir im Herzen weh, mir vorzustellen, dass ich meinen Kindern später, wenn sie draußen spielen wollen, nicht sagen werde: „Vergiss deinen Schal nicht, es ist kalt draußen, du erkältest dich“, sondern stattdessen: „Setz deine Sauerstoffmaske auf, du kannst sonst nicht atmen und stirbst an einem zu hohen CO2-Gehalt in der Luft.“

Wird eine solche Welt für die nächsten Generationen Normalität sein? Werden wir dann im voll ausgestatteten Ledersessel sitzen und unseren Enkeln erzählen, wie schön es früher war, frische Luft zu atmen?

Auch wenn es übertrieben klingen mag, lasst uns übertreiben! Vielleicht kommt es erst so in unseren Köpfen an. Wir wissen schließlich nicht, was in der Zukunft geschehen wird. Keiner von uns. Vor allem, wenn wir so weitermachen wie bisher, wird jede noch so wahnsinnig klingende Vorstellung eintreten. Schließlich hat ja auch vor 30 Jahren niemand den Klimawandel vorhersehen können.

Vielleicht schaffe ich es, dass Ihr diesen Artikel zu Ende lest. Vielleicht schaffe ich es auch, Euch zum Nachdenken anzuregen. Aber werde ich es schaffen, dass Ihr Euch wirklich heute vornehmt, etwas an Eurer eigenen Lebensweise zu ändern?

Für viele erscheint es anfangs schwierig, ein riesiges, ernstzunehmendes Problem anzugehen. So schwierig, dass wir verzweifeln, lieber gar nichts tun oder uns doch wieder mit anderen Dingen beschäftigen. Damit die Welt und am Ende wir eine Chance haben, müssen wir alle uns selbst verändern. Dafür sollten wir nicht nur während der Schulzeit mit einem To-Go-Becher und dem neuesten Handy in der Hand protestieren gehen und von Politikern Maßnahmen fordern. Dabei vergessen wir oft, dass auch wir längst vieles tun können. Wir müssen aufrichtig und ehrlich versuchen, uns zu informieren, so viel wie möglich umzukrempeln und zu lernen, auf Gewohnheiten zu verzichten. Jeder kleinste Schritt wird dazu beitragen, die Erde, unser Zuhause, zu schützen.

Wir tragen die Verantwortung für unsere Nachkommen. Wir müssen handeln, und zwar genau jetzt. Denn ich wünsche mir, Urururgroßmutter von Kindern zu sein, die genauso unbeschwert auf der Erde leben können wie wir.

Sonntag, 5. Januar 2020

Essay: dontdoinstagram




#dontdoinstagram – nein ehrlich, ist gefährlich. Von Lea Sgorsaly


Als ich acht war klopftest du ganz leise, gar schüchtern an meine Tür. Nach einem Sportwettkampf stand eine fremde Frau vor mir und sagte: „Kind, iss mal mehr. Das sieht doch nicht mehr schön aus.“


Mit zehn tratst du die Tür meiner Wohnung ein, machtest es dir ungeladen auf meinem Sofa gemütlich und schienst nicht mehr gehen zu wollen. Meine Nachbarin erzählte mir, dass alle jungen Frauen doch heute diese Lücke zwischen den Oberschenkeln hätten und fragte, warum ich nicht.

Ich war verwirrt.

Mit 13 branntest du rigoros mein Haus herunter, mir blieb ein einziger Trümmerhaufen.

Ich sah diese Lücke überall auf Instagram, thigh gap heißt sie also. Werde ich mal so aussehen wie sie? Ich sehnte mich nach Veränderung. Es fiel mir nicht schwer einen Trainingsplan zu erstellen, denn semiprofessionelle Influencer*innen posten täglich ihre Workouts, die wirklich und auf jeden Fall bei jedem Körper Wunder verschaffen werden.

Na dann los.

Gescheitert.

Sag mir, wäre ich hübscher, nochmal 10 kg leichter, 5 cm größer und meine Haare 30 cm länger, wärst du geblieben?

Mit 16 erkannte ich dass ich dich wohl nie kriegen werde, dass ich nie wie die Mädchen im Internet aussehen werde, dass mein Körper mein einziges Zuhause ist und dass ihn zu lieben und zu akzeptieren die wichtigste Aufgabe meines Lebens ist und dass ich mein eigenes Ideal bin. Entfolgt bin ich allen, bis auf einigen, mir vertrauten Personen. Nicht, weil ich sie nicht immer noch wunderschön und interessant finde, nicht, weil ich glaube, sie verdienen keine Followers, nicht, weil ich konventionell attraktive Frauen und Männer diskreditieren möchte, sondern bloß, weil es mir nicht gut tut, mich mit Content zu konfrontieren, der mir vor Augen führt, was mir alles fehlt, von was ich zu viel habe, und dass ich dich nie kriegen werde.


Du, liebe Bikinifigur, sitzt mir wie der Schalk im Nacken, nur dass du so gar nicht amüsant bist und lieb schon gar nicht. Du kommst nicht alleine, nein, du kommst mit deiner ganzen Bande. Das Schubladendenken, dein Verbündeter. Der Standard, dein bester Freund. Gut ist, wer in diesem Strom lebt. Aber daran ist so gar nichts gut. Wie furchtbar zu denken, du wärst alleine auf dieser Welt. Es gibt dich in allen Formen und Farben und davon ist jede individuelle Bikinifigur unvergleichlich schön. Wer von einem Strom eingesogen wird, verliert irgendwann seine Individualität. Schneller als gedacht, untergegangen und weggespült.

Also lasst uns auf uns vertrauen, unseren Weg, unser Gefühl. Lasst uns lernen, dass unseren Körper zu lieben und akzeptieren doch das ist, was uns manchmal fehlt. Wenn das geschafft ist, dann setzen wir uns gemeinsam ganz ungefiltert an den Strand, lassen unsere Problemzonen Problemzonen sein und trinken eine kalte Limonade.

Fotos: Lea Sgorsaly

Freitag, 20. Dezember 2019

Weihnachtsgottesdienst 2019

Mehr zuhören! Jan-Marten Kleine Besten und Louis Ostrowski berichten vom Weihnachtsgottesdienst 2019 für die Klassen 5-7.


„Alle Jahre wieder“, so begann auch in diesem Jahr wieder der Weihnachtsgottesdienst in der Magnikirche.


Schüler der 5-7 Klassen, Eltern und Lehrer versammelten sich am Freitag 20.12.2019, den letzten Schultag vor den Weihnachtsferien.



Nach dem Eingangslied, das von Frau Meschede auf der Orgel begleitet wurde, begannen die Schüler und Schülerinnen von Frau Lahmann mit dem Krippenspiel. Im Krippenspiel kommen die Heiligen drei Könige, Tiere, das Jesuskind und Hirten gemeinsam in Frieden vor der Krippe in einem armen Stall zusammen.



Unter anderem dieses Thema griff die Pastorin Frau Meiners in ihrer anschließenden Kurzpredigt über den Esel an der Krippe auf. Auch der Esel kann mit Freuden verbunden werden, sagte Frau Meiners, weil er anders als Pferde damals nicht im Krieg eingesetzt wurde.


Er hört mit seinen großen Ohren nicht nur in der Weihnachtszeit anderen zu und trägt auch schwere Lasten mit sich herum. Frau Meiners hofft, dass gerade in der Weihnachtszeit die Menschen einander mehr zuhören und die Schüler füreinander da sind.


Für Humor sorgte dann das Vorspiel der streitenden Adventskerzen von Schülern aus der 5. Klasse. Jede Kerze wollte dabei die erste sein, die angezündet wird. Doch bei der Entscheidung taten sie sich schwer. Am Ende stritten sie die ganze Adventszeit und vergaßen beinahe den Heiligen Abend.



Weihnachten heißt für die meisten Menschen nicht nur, nett zu den eigenen Verwandten und Freunden zu sein, sondern auch anderen Menschen einen kleinen Teil weiterzugeben.

Das SR-Team sammelte auch in diesem Jahr wieder Spenden für bedürftige Menschen. Das gesammelte Geld wird zur einen Hälfte an die Organisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS-Kinderdörfer gespendet werden.

Anschließend präsentierten Schüler des 7. Jahrgangs ihre im Religionsunterricht erarbeiteten Fürbitten. Sie appellierten dabei dafür, dass Kriege, Verfolgung von Menschen mit anderer Hautfarbe, Zerstörung der Welt und Mobbing ein Ende haben sollten. Vor dem gemeinsamen Vater unser und dem Segens sang der Lehrerchor, durch die Kirche schreitend, Adeste fideles.



Am Ende des Gottesdienstes dankte der Schulleiter, Herr Ovelgönne, den Organisatorinnen Frau Schultalbers und Frau Meiners, den WG Cantorum 5/6 unter Leitung von Frau Gildner sowie allen Schülern und Lehrern, die an der Gestaltung des Gottesdienstes mitgewirkt haben, und wünschte allen nach diesem ereignisreichen halben Jahr schöne und erholsame Weihnachtsferien.

Dem können wir uns nur anschließen! Wie wünschen allen Schülern, Lehrern und Eltern sowie unseren Lesern frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2020!


Fotos: Jan-Marten Kleine Besten und Louis Ostrowski 


Freitag, 6. Dezember 2019

Glosse: Mensa


M e n s a

WGs Einfalt Speisen und Getränke

02.-06. Mai





Montag

Menü 1        Kartoffel-Gemüse-Auflauf (verkocht)
Menü 2        Currywurst mit weichen Pommes


Dienstag

Menü 1         Hamburger mit weichen Fritten
Menü 2         Penne-Hack-Auflauf (halbe Portion)


Mittwoch

Menü 1         Currywurst mit harten Pommes
Menü 2         Harter Milchreis mit Zimt und Zucker


Donnerstag

Menü 1          Spagetti (besonders al dente) mit fader und pappiger Tomatensoße
Menü 2          Penne-Hack-Auflauf (halbe Portion)


Freitag

Menü 1       Harte Kartoffelpuffer mit Apfelmus (mit Klumpen)



* Abgelaufene Apfelschorle gibt es immer.

Diese Satire basiert auf echten Erfahrungen. Von Louis Ostrowski.

Foto: Screenshot der Mensa-Website.

Umfrage folgt.


Donnerstag, 5. Dezember 2019

Fridays for Future: Interview mit Moritz von Bachmann

Schule soll mehr sensibilisieren. Moritz von Bachmann, Mitorganisator von Fridays-for-Futur in Braunschweig, antwortet auf die Fragen von Jan-Marten Kleine-Besten.

Teil 1: Interview mit Christoph Bratmann, Vorsitzender des Schulausschusses der Stadt Braunschweig
Teil 2: Interview mit Antje Kapsch, Mitwirkung im Bereich Umweltbildung am WG
Teil 3: Interview mit Moritz von Bachmann, Organisator von Fridays for Future am WG

Was sind deine Aufgaben bei den Fridays-for-Future-Demonstrationen (im Hinblick auch auf die Vorbereitung)?
Seitdem ich angefangen habe, im Organisationsteam mitzuwirken, habe ich schon einiges gemacht und ich bin jetzt aus der Mobilisierungsarbeit in die Arbeit mit der Regionalpolitik eingestiegen. Dort führe ich die einzelnen Gespräche mit den einzelnen Ratsfraktionen durch, in denen wir Forderungen für Braunschweig mit formuliert haben. Ansonsten bin ich im Demo-Organisationsteam.

Oft wird bemängelt, dass, wenn Schüler/Schülerinnen zu den Demonstrationen gehen, sie viel Unterrichtsstoff verpassen und dies für ihre Zukunft negative Auswirkungen hätte. Wie siehst du das?
Es ist immer so ein bisschen diese Aussage, dass Schüler lieber in die Schule gehen sollten, später dann schnell Umweltingenieure werden und dann das Klima retten sollten. Ich sehe das Ganze so, dass dringend Handlungsbedarf ist, die Politik aktuell diese Forderungen nicht in die Tat umsetzt und dass stattdessen durch Demonstrationen sehr viel passieren kann und dies auch priorisiert werden sollte.


Wie ist aus deiner Sicht der Klimawandel in der Zukunft zu stoppen?
Ich habe das Gefühl, dass sehr viel auf Wachstum ausgelegt ist, und ich merke das beispielsweise in meiner Klasse, dass zu dieser Saison alle neue Anziehsachen haben und jedes Jahr ein neues Handy, und man wird von den Eltern mit dem SUV vor die Tür gefahren. Gleichzeitig ist natürlich auch die Ernährung ein Aspekt. Unsere Landwirtschaft setzt dabei sehr auf den Einsatz von Chemikalien und möchte alles sehr schnell wachsen lassen, und es gibt sehr viel Tierhaltung, wo für die Futteranbauflächen sehr viele Emissionen verursacht. Ich würde mir mehr nachhaltigeres Leben wünschen, mit den Hauptpunkten: auf die Ernährung zu achten, esse ich jetzt jeden Trag eine Banane vom anderen Ende der Welt, und wie kann ich meine Mobilität nachhaltiger gestalten.

Wie bist du für das Thema Klimaschutz/Umweltschutz sensibilisiert worden?
Ich bin mir dabei gar nicht mehr so sicher! Durch die Schule auf jeden Fall gar nicht so, eher in Reportagen oder Dokumentationen, in denen es um „Klimawandel“ ging, aber ich glaube auch, dass durch die „Fridays-for-Future-Bewegung“ ganz viele Menschen sich damit befasst haben und so auch ich. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen mitzudemonstrieren.


Wie viel Zeit setzt du pro Woche in die Vorbereitung und Ausführung der Demonstrationen?
Das war in der Zeit, in der ich aktiv bin, sehr unterschiedlich. Vor dem 26.08.2019 in Aachen war es tatsächlich jede freie Minute, die ich hatte. Jetzt habe ich auch sehr, sehr viel Arbeit da reingesteckt. Diese Arbeit hat sich auch ausgezahlt, worüber ich auch sehr froh bin. Ansonsten haben wir die Plenumstreffen und das Arbeitskreistreffen, die jeweils zwei Stunden dauern, aber ich besuche diese nicht regelmäßig, aber es sind schon so ca. zehn Stunden pro Woche.

Was tust du in deinem Alltag für die Reduzierung von Treibhausgasen?
Ich achte vor allen Dingen darauf, viel mit dem Fahrrad zu fahren. Früher habe ich mich immer im Winter mit dem Auto zur Schule fahren lassen. Aber es sind eigentlich nur zehn Minuten, deshalb fahre ich jetzt immer mit dem Fahrrad. Ich habe ein bisschen Spaß daran gefunden, wenn ich neue Kleidung brauche, diese second hand zu kaufen oder auf Kleidertauschpartys zu bekommen. Des Weiteren ernähre ich mich vegan und achte ein wenig auf Biosiegel und inspiriere auch andere Menschen, dies auch zu tun.


Was möchte Fridays for Future aus deiner Sicht hauptsächlich in der Zukunft erreichen, und bis wann soll dieses Ziel erreicht werden?
Der IPPC-Klimabericht Bericht von 2018 sagt, dass es bis 2030 noch die Möglichkeit gibt, den Klimawandel aufzuhalten, mittlerweile sind es knapp 8,5 Jahre, die die Wissenschaft als Periode bezeichnet, in der es noch Handlungsmöglichkeiten gibt.


Was sollte die Politik nach den Forderungen von Fridays for Future mehr für den Umweltschutz/Klimaschutz tun?
Es wurde ja gerade das Klimapaket der Bundesregierung beschlossen. Darin wird vor allen Dingen im Emissionshandel sehr stark mit der Wirtschaft zusammengearbeitet, was potentiell erst einmal nicht schlecht ist. Es ist allerdings das Problem, dass durch Lobbyismus, wie z. B. die Initiative „Neue soziale Marktwirtschaft“, verstärkt Desinformationen weitergegeben werden. Durch die Lobbyismus-Arbeit möchten Politiker oftmals wiedergewählt werden und machen daher oft eher Pseudo- Klimaschutz als realen Klimaschutz.


Was würdest du Schülern im Hinblick auf den Umweltschutz/Klimaschutz mit auf den Weg geben bzw. was würdest du dir wünschen?
Ich würde mir wünschen, dass man sich im Unterricht mit dem Thema Klimawandel auseinandersetzt bzw. mit der Klimakrise, wie wir sie jetzt schon bezeichnen können. Vielleicht könnte man sich als Schüler selbst mit dem Thema noch etwas mehr befassen und darauf achten, wo ich oder mein Umfeld Emissionen einsparen kann.




Mittwoch, 6. November 2019

Fridays for Future: Interview mit Antje Elisabeth Kapsch

Es wird sich viel bewegen. Jan-Marten Kleine-Besten im Gespräch mit Frau Kapsch, Fachgruppenleiterin Erdkunde und Mitwirkende im Schulforum für Nachhaltigkeit „WeGo for future  tomorrow is now“.

Teil 1: Interview mit Christoph Bratmann, Vorsitzender des Schulausschusses der Stadt Braunschweig
Teil 2: Interview mit Antje Kapsch, Mitwirkung im Bereich Umweltbildung am WG
Teil 3: Interview mit Moritz von Bachmann, Organisator von Fridays for Future am WG


Was unternimmt unsere Schule momentan für den Umweltschutz/Klimaschutz?
Unsere Schule engagiert sich in vielerlei Art und Weise für den Klima- und Umweltschutz. Exemplarisch sei da verwiesen auf
  • die Aktivitäten zur Mülltrennung,
  • die Maßnahmen zur Strom- bzw. Energieeinsparung inklusive der Solarzellen auf dem Dach („Energiesparfuchs/Abfallfuchs“),
  • das Schulprogramm mit der Umwelt-Agenda,
  • die Bewerbungsphase als UNESCO-Schule mit der Klima-AG,
  • die Repair-AG,
  • die Fachgruppe Kunst mit ihrem vierfachen Preis beim Wettbewerb „Upcycling Accessoires“ im Rahmen der Europäischen Woche zur Abfallvermeidung
  • und die curriculare, pädagogische Arbeit der Kolleginnen und Kollegen zum Thema Nachhaltigkeit und Umwelt in allen so verschiedenen Fächern
Es ist aber auch noch sehr viel anderes möglich z. B. Müllvermeidung vor Mülltrennung, ökologische (Um-)Gestaltung des Schulgartens und des Pausenhofes im Haupthaus, Umgang mit Licht und Wärme jedes Einzelnen in unserem Schulhaus, mehr „echtes“ und weniger informationsbezogenes: nachhaltiges Lernen für die Schülerinnen und Schüler.


In welchen Bereichen könnten z. B. Schüler/-innen oder Lehrkräfte aus Ihrer Sicht selbst mehr für den Umweltschutz/Klimaschutz in unserer Schule tun?
Erst einmal kann jeder selbst auf sich und seine Handlungsweisen in seinem Leben und seinem Alltag blicken. Viele erste kleine Schritte wie z. B. Reduktion von Energieverbrauch in verschiedensten Formen, Vermeidung von Einweg-Verpackungen, Reduktion der Plastik-Nutzung insgesamt, Reflexion und eben auch die Änderung des eigenen mobilen Verhaltens, Einkauf von wirklich nachhaltigen Waren (die nicht unbedingt fair-trade oder Bio sein müssen) u. v. a. m. können größere Schritte in den Folgehandlungen er- bzw. bewirken. Das gilt insbesondere dafür, dass viele Menschen in einer Gemeinschaft zusammen einfacher und gleichzeitig solche identischen, neuen, oft nur ungewohnten und mitunter auch „unbequemen“ Wege beschreiten (können). Ich denke auch, dass wir in der Gemeinschaft eine Menge bewirken können, da wage ich aber noch keinen Blick in die Zukunft.


Welche Ideen gibt es, um den Umweltschutz/Klimaschutz an unserer Schule zu verbessern?
Es gibt derzeit sehr viele Ideen. Aktuell finden dazu Austausch, Ideensammlung und erste Planung im „Forum für Umwelt und Nachhaltigkeit“, bestehend aus Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften sowie im Arbeitskreis „WG 2025“ und auch überhaupt im Kreis des Kollegiums, in den verschiedenen Fachgruppen und in der Schülerschaft statt. Ich denke, da wird sich in der nächsten Zeit viel bewegen.

Werden Sie als Umweltbeauftragte der Schule auf das Thema „Fridays for Future“ angesprochen?
Auf dieses eben auch kontrovers diskutierte Thema werde ich angesprochen. 23 000 deutschsprachige Wissenschaftler der Initiative „scientists for future“ unterstützen die Schülerinnen und Schüler in ihrem Anliegen und formulieren:

„Zurzeit demonstrieren regelmäßig viele junge Menschen für Klimaschutz und den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erklären wir auf Grundlage gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse: Diese Anliegen sind berechtigt und gut begründet. Die derzeitigen Maßnahmen zum Klima-, Arten-, Wald-, Meeres- und Bodenschutz reichen bei weitem nicht aus.“ (Quelle: https://www.scientists4future.org/ stellungnahme/ stellungnahme-de/ [11.06.2019])


Hatten sie ein Schlüsselerlebnis, wodurch Ihr Interesse für Umweltschutz/Klimaschutz geweckt wurde?
Ein Schlüssel für mein Engagement liegt sicher auch in meiner Kindheit, in der ich erlebt habe, wie im Chemie-Dreieck Halle-Leipzig-Bitterfeld massiv und mit gravierenden Folgen für Mensch, Landschaft und Gesellschaft in die Umwelt eingegriffen wurde. Ein Blick auf die vor Schmutz und Chemikalien meterhoch überschäumende Saale im Bereich von Schkopau/Merseburg oder die dick staub- und rußbedeckten Häuser und Straßen der Winterzeit gehören sicher zu prägenden Eindrücken. Beeindruckend war die Sanierung und deutliche Verbesserung der Situation in dieser Region über viele Jahrzehnte hinweg, die zeigt, dass Erfolge, basierend auf hohem Engagement, möglich sind.

Ein besonderes Schlüsselerlebnis erfolgte auf einer Studien-Exkursion durch Italien im Jahr 2000, in deren Rahmen wir als Studenten die Schönheit und Einzigartigkeit mariner Lebensräume auf den Liparischen Inseln und auf Sizilien kennenlernen durften, um in einer Führung vor Ort gleichzeitig über die marine Verklappung von Restschlämmen aus der Aluminium-Herstellung und die akute Thunfisch-Überfischung selbst in den Schutzgebieten zu erfahren. Seitdem esse ich keine Muscheln mehr und (ver-)meide Thunfisch auf dem Teller. Die globale Weltmeer-Plastik-Problematik, über die wir Erdkundelehrer im Erdkundeunterricht schon seit vielen Jahren unbeachtet berichteten, stellt da sicher nur die Spitze des Eisberges der Folgen des „Anthropozäns“ dar.


In welchen Bereichen würden Sie selber in Zukunft mehr für den Umweltschutz/Klimaschutz unternehmen wollen?
  • nachhaltige Bildung bzw. nachhaltiges Lernen als Befähigung der nächsten Generation mit dem von uns aufgebürdeten „Rucksack“ erfolgreich und konstruktiv handelnd umgehen zu können,
  • Reduktion von Ressourcenverbrauch
Warum sollte man sich aus Ihrer Sicht für den Umweltschutz/Klimaschutz einsetzen?
WIR haben nur diese EINE Erde. Die (großräumige) Zerstörung von (komplexen) Ökosystemen ist irreversibel.

Merken Sie an Freitagen, dass viele Schüler/-innen wegen „Fridays for Future“ Demonstrationen mitmachen?
Ich nehme das medial und auch in der Schule deutlich wahr. Auch mein großer Sohn nimmt an den Demonstrationen teil.

Haben Sie einen Leitsatz oder eine Vision, die Sie den Schülern/-innen zu dem Thema mit auf den Weg geben möchten?
„Sustainable development meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.“
„Nachhaltig ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.
(Quelle: „Unsere gemeinsame Zukunft. Der Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung“, 1987)

Was unternehmen Sie selber bereits für den Klimaschutz/Umweltschutz?
Das fängt z. B. im privaten Bereich an: Wir bauten ein energieeffizientes Haus mit Solarthermie und wassersparenden Wasserhähnen usw., besitzen nur ein Auto aber fünf Fahrräder, nutzen dienstlich möglichst die Bahn und vermeiden private Flüge, fahren im Sommer-Urlaub (mit dem PKW) in ein nachhaltiges Hotel, gehen im Harz Skilanglaufen – fahren nicht in die Alpen zum alpinen Skifahren oder Rodeln, kaufen regional-nachhaltige Produkte, trennen Müll, versuchen den Ressourcenverbrauch zu verringern indem wir Einweg-Verpackungen vermeiden, mähen den Rasen ganz ohne Mähroboter und deutlich seltener, haben im Garten einen noch weiter auszubauenden Insekten-Bereich, beleuchten unseren Garten nicht in der Dunkelheit. In den Bereichen Konsum bzw. Online-Versandhandel und Textilprodukte werden zukünftige „Baustellen“ hinsichtlich nachhaltigem Handeln in unserem Hause liegen.

Nicht zuletzt engagiere ich mich auch in meinem Beruf intensiv in der Auseinandersetzung mit und Bewältigung der Problematik von Umwelt und Nachhaltigkeit.


Foto: Kuttig

Donnerstag, 3. Oktober 2019

Fridays for future: Interview mit Christoph Bratmann


Klimaschutz betrifft uns alle. Der WGtarier veröffentlicht deshalb eine Serie zur Bewegung Fridays for Future. Den Auftakt macht ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Schulausschusses Christoph Bratmann.

Teil 1: Interview mit Christoph Bratmann, Vorsitzender des Schulausschusses der Stadt Braunschweig
Teil 2: Interview mit Antje Kapsch, Mitwirkung im Bereich Umweltbildung am WG
Teil 3: Interview mit Moritz von Bachmann, Organisator von Fridays for Future am WG

Wir sind alle in der Pflicht. Jan-Marten Kleine-Besten befragt Christoph Bratmann, Vorsitzender des Schulausschusses der Stadt Braunschweig, SPD-Fraktionsvorsitzender und Mitglied des niedersächsischen Landtags.

Wie haben Sie im Stadtrat die Diskussionen zu den „Fridays for Future“ erlebt?
Natürlich kann ich nicht für den kompletten Rat der Stadt Braunschweig sprechen. Aber ich und die Mitglieder meiner Fraktion haben zunächst einmal sehr positiv wahrgenommen, dass junge Menschen sich in so großer Zahl politisch engagieren. Das finde ich beachtenswert. Als Konsequenz der fridays for future-Bewegung wurde im Rat der Arbeitskreis „Braunschweig for future“ gegründet, der sich weiter intensiv mit dem Thema beschäftigen und zukunftsfähige Konzepte für die Stadt Braunschweig erarbeiten wird. Zudem wurde ein großer Teil der Forderungen von „fridays for future“ in einem Ratsantrag mehrerer Fraktionen aufgegriffen und beschlossen.


Wie verhalte ich mich am besten, wenn ich bei einer solchen Demonstration mitmachen möchte?
Grundsätzlich ist das im allgemeinen Demonstrationsrecht festgeschrieben. Eine Demonstration muss von den Veranstaltern mindestens 48 Stunden vor Beginn angemeldet werden. Für alle Teilnehmer
gilt dann, sich nicht mit Masken oder Ähnlichem zu vermummen, friedlich zu bleiben und sich nicht zu bewaffnen. Schulfrei gibt es allerdings für die Teilnahme während des Unterrichts nicht, sodass Schülerinnen und Schüler selbst entscheiden müssen, inwieweit ein Fernbleiben vom Unterricht verträglich ist.

Ab welchem Alter ist es per Gesetz erlaubt, dass man als Schüler*in bei solch einer Demonstration mitmachen möchte?
Das Demonstrationsrecht ist ein Grundrecht, welches nicht an ein bestimmtes Alter gebunden ist. Also dürfen natürlich auch Schüler unter 18 Jahren demonstrieren. Es gibt aber auch eine allgemeine Schulpflicht, und die Teilnahme an einer Demonstration bedeutet nicht, dass man dann nicht mehr zur Schule gehen muss. Dafür kommt natürlich kein Schüler ins Gefängnis, aber unter Umständen kann es in der Schule Ärger geben, wenn du unentschuldigt freitags fehlst.

Was möchte die Stadt Braunschweig in Zukunft mehr für den Klimaschutz/Umweltschutz tun?
Ich hatte ja in der ersten Frage bereits auf den Arbeitskreis „Braunschweig for future“ hingewiesen. Das ist beispielsweise ein konkreter Schritt der Stadt Braunschweig, das Thema weiter zu bearbeiten. Zum Glück fangen wir als Kommune ja jetzt auch nicht komplett neu damit an, klimapolitisch zu denken. Es gibt unter anderem eine klimagerechte Bauleitplanung. Darüber hinaus plant die Stadt gerade, ein eigenes Dezernat für Umwelt- und Klimaschutz einzurichten.



Was kann aus Sicht des Stadtrates jeder selbst und relativ unkompliziert für das Klima tun?
Zum Beispiel den eigenen Konsum beachten, da ist oft weniger mehr. Im eigenen Haushalt auf Mülltrennung und Müllvermeidung achten. Nach Möglichkeit mehr das Fahrrad oder den öffentlichen Nahverkehr statt den Pkw nutzen. Das sind nur einige Beispiele, bei denen jeder von uns einen Beitrag leisten kann.



In den Medien wurde berichtet, dass die Stadt Braunschweig „Bienen-Hauptstadt“ werden möchte. Können Sie dazu nähere Angaben machen?
Hierbei handelt es sich um ein gemeinsames Projekt der Stadtverwaltung und des Julius-Kühn Instituts. Insgesamt sollen 16 Hektar Fläche der Stadt wildbienengerecht umgestaltet werden, um die Bienenpopulation insgesamt zu verbessern. Das Projekt wird mit 4,6 Millionen Euro von Bund und Land sowie 1,2 Millionen Euro von der Stadt finanziert. Allerdings kann auch jeder seinen Balkon oder Garten durch entsprechende Pflanzen bienen- und insektenfreundlich gestalten.

Kommt es vor, dass sich Schüler*innen oder Bürger an den Stadtrat wenden, um Vorschläge oder Kritik in dem Bereich Klimaschutz/Umweltschutz einzubringen?
Ja. Letztendlich sind die Fridays-for-future-Demonstrationen ja direkt an die Politik gerichtet. Die Braunschweiger Gruppe hat sich auch bereits mit uns in Verbindung gesetzt, und wir sind in einem direkten Austausch. Darüber hinaus tragen Schülerinnen und Schüler uns auch andere Anliegen vor, wie z. B. die Forderung nach vergünstigten Schülertickets für Bus und Bahn.



Was würden Sie jungen Leuten beim Thema Klimaschutz/Fridays for Future mit auf den Weg geben?

Umweltschutz ist aber nicht nur Senkung des CO²-Ausstoßes aus Autos oder Fabrikanlagen. Jeder von uns kann durch den eigenen Konsum bereits viel bewegen. Beim Kauf von Lebensmitteln, Kleidung, Handys oder dem Beachten der Mülltrennung sind wir alle in der Pflicht.

Was tun Sie selbst im Alltag für den Klimaschutz/Umweltschutz?
Neben den bereits erwähnten Dingen versuche ich, weniger Plastikmüll zu produzieren oder öfter mal auf das Auto zu verzichten. Gerade letzteres ist als Kommunal- und Landespolitiker leider nicht immer ganz leicht.



Was könnte aus Ihrer Sicht die Politik in Zukunft im Bereich Klimaschutz/Umweltschutz verändern?
Vieles dreht sich, gerade in unserer Region um die Mobilität. Neue Antriebsformen wie der E-Motor oder Wasserstoffantriebe könnten unsere Gesellschaft in Umweltaspekten weit voranbringen. Daran wird in unserer Region gerade intensiv geforscht. Zudem gilt es, den öffentlichen Personennahverkehr weiter auszubauen. Global betrachtet hängt vieles an den USA, China und Indien, die zusammen mehr als die Hälfte der weltweiten CO² Emissionen produzieren. Damit sind wir Europäer nicht aus der Verantwortung entlassen, aber es verdeutlicht, dass dieses Problem nur global gelöst werden kann.




Dienstag, 3. September 2019

Interview: Pater Fritz Wieghaus

Gott- und Selbstvertrauen. Pater Fritz Wieghaus vom Dominikanerkloster St. Albertus Magnus Braunschweig im Gespräch mit Jan-Marten Kleine-Besten

Pater Fritz Wieghaus.
Wie wird man eigentlich ein Pater?
Pater ist ein Priester im Orden. Man wird in die Gemeinschaft des Ordens nach einem Probejahr aufgenommen, das nennt sich Noviziat nennt. Danach lege ich ein Versprechen ab über drei Jahre und später kann ich mich für immer an das Klosterleben binden. Mit der Priesterweihe darf ich mich dann Pater nennen.

Hatten sie im Leben ein Schlüsselerlebnis, nachdem der Wunsch entstanden ist Pater zu werden?
Ich war auf einer Schule, die von Dominikanern geleitet wurde, und habe ganz konkrete Dominikaner kennengelernt. So ist der Wunsch entstanden, selber dieser Gemeinschaft beizutreten. Es gab also kein Schlüsselerlebnis, sondern es ist langsam erwachsen.

Wie war das Gefühl als sie zum Priester geweiht wurden?
Ich kann mich sehr gut an die Priesterweihe erinnern. Das war im Rheinland, es war eine schöne Feier. Wir waren vier junge Mitbrüder, die geweiht wurden. Es war das Ziel meiner theologischen Ausbildung gewesen. Ich konnte dann anschließend nach Braunschweig gehen, um das anzuwenden, was ich im Studium gelernt hatte.

Wie sieht der Alltag als Pater aus, und freuen sie sich manchmal, wenn der Tag endlich geschafft ist?
Mein Arbeitsalltag ist sehr geprägt durch meinen Terminkalender. Es gibt traurige Anlässe, wie z. B. Beerdigungen, die dabei sind. Es gibt aber auch frohe Anlässe, wie z. B. Taufen, Hochzeiten. Es gibt ganz andere Arbeitsbereiche, die Kinder- und Jugendarbeit, den Alltag, wie die sonntäglichen Gottesdienste. Der Arbeitsalltag sieht bei mir also jeden Tag anders aus, auch wenn es immer wieder gleiche Elemente sind, die ein priesterliches Leben prägen, und es gibt auch manchmal Tage, die so gefüllt sind, dass ich abends froh bin, wenn der Tag vorbei ist, und die Füße einfach hochlegen kann.

Benutzt man als Pater auch moderne Elektronik, wie z. B. Smartphones, Computer oder Tablets?
Ja, die gehören heutzutage selbstverständlich zu unserem Alltag. Jede Predigt schreibe ich am Computer. Gerade mit den Kindern und Jugendlichen unserer Gemeinde wird viel per E-Mail geklärt. Es gibt aber manches, was ich noch nicht mache, was ich nicht nutze, ich nutze z. B. kein Facebook.

Die Kirche des Klosters St. Albertus Magnus.
Wie oft wird am Tag gebetet?
In der Gemeinschaft beten wir jeden Morgen um 07:30 Uhr das Morgengebet in der Kirche, anschließend frühstücken wir gemeinsam. Jeden Dienstag feiern wir als Gemeinschaft eine Heilige Messe. Weitere Gebetszeiten gibt es in der Gemeinschaft hier in Braunschweig nicht. Die übrigen Zeiten sind frei zu gestalten.

Muss man bestimmte Gesänge oder Gebete heutzutage noch auswendig auf Latein können?
Es gibt eine Reihe von Gesängen und Gebeten, die ich auswendig kann, nicht weil ich es muss, sondern weil ich sie schon so oft gebetet habe, dass ich sie einfach auswendig kann. Wie ein Kommunionkind das Vaterunser am Ende kennt, weil wir es jedes Mal beten, ist es bei uns im Kloster so, dass es lateinische Gesänge gibt, das „Salve Regina“, das wir nach jeder Vesper singen. Das singe ich schon über 35 Jahre, da brauche ich kein Blatt, das kann ich einfach auswendig.

Wie sieht die Fastenzeit bei Ihnen aus?
Die Fastenzeit hat bei uns besonders eine religiöse Bedeutung. Es geht einerseits darum, dass jeder für sich überlegt, worauf er verzichten möchte. Das kann ganz Unterschiedliches sein. Klassisch ist es ganz oft so, dass jemand sagt, ich verzichte auf den Alkohol, aber die Anregung zur Fastenzeit kann ich auch positiv formulieren: Wo möchte ich in dieser Zeit etwas besonders Gutes tun, oder ich nehme mir etwas vor, was mir sonst schwerfällt. Es geht also um einen Vorsatz, einem anderen Menschen etwas Gutes zu tun.

Blick in den Innenraum der Kirche.
Ist es immer noch Vorschrift, dass Patres vor der Kommunionsausteilung nichts essen dürfen, oder gibt es dort mittlerweile eine Handlungsfreiheit?
Diese Vorschrift gab es früher für alle katholischen Christen, also nicht nur für die Patres. Die Generation deiner Großeltern kennt das vermutlich noch. Ich selber habe das nicht mehr kennengelernt, obwohl ich jetzt schon 61 Jahre alt bin. Diese Vorschrift ist mit dem zweiten Vatikanische Konzil 1965 abgeschafft worden, und zwar für alle Christen.

Wie gestaltet sich das Leben als Pater im Ruhestand, bleibt man weiterhin in seinem Kloster wohnen?
Ja, als Pater lebt man in einem Kloster, auch wenn man keine beruflichen Verpflichtungen mehr hat. Es ist so, wie früher in meiner Familie, die Großeltern haben mit bei uns gewohnt. Heute gibt es andere gesellschaftliche Formen, aber jemand, der in ein Kloster eingetreten ist, bleibt dort ein Leben lang. Es ist für uns eher eine Freude, wenn mehrere Generationen unter einem Dach leben. Deshalb wohnen auch die Senioren bei uns mit im Kloster. Manchmal ist es so, wie es meine Großeltern in der Familie auch getan haben, dass die älteren Mitbrüder uns im Kloster helfen.

Wie ist es, in einem Kloster in einer Stadt zu leben?
Das ist eine sehr interessante Frage. Wir Dominikaner sind im 12. Jahrhundert gegründet worden, und bis dahin wurden die Klöster in der Regel auf dem Land gegründet. Man hat sich ein schönes ruhiges Plätzchen auf einem hohen Berg oder in einem tiefen Tal ausgesucht. Das war das Ideal der Abgeschiedenheit. Das neue bei uns Dominikanern war im 12. Jahrhundert, dass unser Ordensgründer die Klöster mitten in den Hauptstädten der damaligen Zeit gegründet hat. Also leben Dominikaner seit der Gründung des Ordens immer schon in Städten. Das ist bewusst intendiert. Die Dominikaner sollen studieren, sind oft an den Universitäten präsent, und deshalb liegt ein Dominikanerkloster meistens mitten in der Stadt.

Der Kirchenvorplatz.
Möchten heutzutage noch viele Menschen Pater werden, oder gibt es auch Nachwuchssorgen?
Es gibt Nachwuchssorgen. Wir können nicht alle Klöster behalten, weil wir einfach zu wenige sind. Es gibt aber Menschen, die nach wie vor zu uns kommen. Jedes Jahr kommen vielleicht ein, zwei junge Menschen, die anfragen. Es bleiben aber nicht alle, denn man kann sich in der Phase der Ausbildung nochmal überlegen, ob man sein Ziel beibehalten möchte. Aber insgesamt werden wir weniger. Wir freuen uns über jeden, der sich entscheidet, diesen Weg zu gehen.

Was würden Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben?
Ich wünsche den jungen Menschen ein gesundes Selbstvertrauen und ein gesundes Gottvertrauen. Die Herausforderungen in der Gesellschaft sind heutzutage sehr groß, und ich kann sie am besten meistern, wenn ich selber auch Vertrauen zu mir habe. Andererseits hilft mir das Gottvertrauen, dass ich auch dort, wo ich an meine Grenzen gerate - und jeder Mensch hat Grenzen - noch eine andere Instanz habe.


Fotos: Jan-Marten Kleine-Besten

Samstag, 27. Juli 2019

Interview: Checker Tobi


Traumberuf Reporter. Louis Ostrowski im Gespräch mit Checker Tobi.



Wer bist du?
Ich bin Tobi Krell, aber ich arbeite als Checker Tobi. Dass ist eine Kinderwissenssendung die im KIKA läuft, in der wir in Reportagen und Studioteilen eigentlich alle Themen versuchen, für Kinder so aufzubereiten, dass sie am Ende ein bisschen mehr Wissen als vorher haben.

Bist du in deinem Freundeskreis auch der, der alles erklärt?
Das ist eine schöne Frage, aber ich glaube nicht. Ich lerne natürlich jeden Tag irgendwas Neues, und durch diese Sendung habe ich auch schon ganz viel in meinem Leben dazugelernt, aber ich glaube, ich bin jetzt kein Klugscheißer. Zumindest nicht so sehr, wie ich sein könnte, nach sechs Jahren Wissensfernsehen machen. Ich muss leider auch dazu sagen, wenn man über 100 Folgen gemacht hat – da habe ich jetzt leider schon viel wieder vergessen, ich kann mich also nicht an alles erinnern.

Wie bist du Checker geworden?
Eigentlich war das ein großer Zufall. Ich habe schon während des Studiums für das Fernsehen gearbeitet. Damit habe ich mein Studium finanziert. Und zuerst habe ich in Fernsehensendern Praktika gemacht, dann habe ich als freier Mitarbeiter angefangen und hinter der Kamera Beiträge gemacht. Dann durfte ich vor die Kamera für ein junges Programm des SWR und habe Reportagen für Leute anfangs 20 gemacht, von Musikfestivals und so. Danach wurde ich der Filmkritiker dieser Sendung und stand Woche für Woche vor der Kamera. Und dann hat die Reaktion, die vorher Checker Can gemacht hat, einen neuen Checker gesucht, als Can aufgehört hat. Die haben mich im Fernsehen gesehen und zum Casting eingeladen, ganz klassisch. So hat das geklappt. Es waren viele Zufälle, aber vielleicht war das auch richtig so.

Wie ist es, vor der Kamera zu stehen?
Das ist eine schwierige Frage. Ich weiß nicht, ich mach das einfach immer. Also ich habe jetzt nicht mehr das Gefühl, so ganz aufgeregt zu sein. Das war natürlich am Anfang schon so, aber mittlerweile ist es eher so, dass es ganz selbstverständlich läuft. Mir macht es einfach Spaß, ich bin gerne der Typ, der zu Leuten hingeht und Fragen stellt, und Sachen ausprobiert. Ist ja auch was Tolles an meinem Job. Genau, ich habe einfach großen Spaß dran. Es ist aber kein besonders seltsames Gefühl, nur weil da 'ne Kamera dabei ist.

Du hast am 31.01.2019 einen Film herausgebracht. Was ist für dich angenehmer zu drehen? Film oder Fernsehen?

Also, beim Fernsehen habe ich mittlerweile einfach eine Routine und weiß, wie es funktioniert. Und ich bin eben nicht mehr so dolle aufgeregt. Beim Kinofilm ist es anders. Da war ich schon nervös, da die Art und Weise, wie man dort dreht, eine andere ist. Das Team hinter der Kamera ist größer, alles dauert ein bisschen länger, weil man einfach ein anderes Kamera-Equipment dabei hat, und das fand ich schon aufregender, ich will jetzt nicht sagen, das eine macht mehr Spaß als das andere, aber es war toll, diese Erfahrung gemacht zu haben, einen Kinofilm zu drehen.

Was war die größte Panne während eines Drehs?
Oh, da passiert sehr viel. Was ständig vorkommt, ist, dass etwas misslingt, dass man stolpert und hinfällt, ich verspreche mich auch oft und regelmäßig, oder das Zusammenspiel zwischen mir und Kamera funktioniert nicht, dann muss man nochmal von vorne anfangen. Diese Kleinigkeiten passieren fasst jedes Mal, aber das ist überhaupt nicht schlimm. Und die größten Pannen, da muss ich nachdenken. Es passieren manchmal auch peinliche Situationen, wir haben mal eine Sendung zum Thema Schwimmbad gemacht, und es ging auch um die Wasserrutsche. Ich hatte einen Experten, der hat mir gezeigt, wie man am schnellsten die Rutsche runterkommt. Und der letzte Trick war, dass man sich die Badehose in die Po-Ritze reinziehen soll. Und dann habe ich das auch gemacht und wollte gerade runterrutschen, aber dann bin ich mit halbnacktem Po auf der Rutsche ausgerutscht und bin dann da irgendwie auf die Nase gefallen. Sowas passiert auch manchmal.

Ist es schwer, schwierige Vorgänge leicht zu erklären?
Also, das ist das Zusammenspiel zwischen der Redaktion, also den Reakteuren, die die Sendung vorbereiten und recherchieren, bei dem Dreh mit dem Kameramann und mir. Ich glaube, dass ist die höchste Kunst des Journalismus, was wir hier machen, denn man muss das Thema auf jeden Fall so durchdrungen haben, dass man es wirklich versteht. Sonst kann man es nicht runterbrechen und vereinfachen. Oder man macht Fehler, aber das darf uns nicht passieren, da wir ja Kindern Wissen mitgeben wollen. Also ich glaube schon, dass es schwer ist, aber wir haben hier im Team eine gute Erfahrung, teilweise, wenn man Can dazuzählt, nach über acht Jahren Kinderfernsehen machen, dass man einfach gelernt hat, wie es funktioniert. Das Konzept ist es letztendlich, einfach Sachen zu verstehen und wenn man das von sich behaupten kann, dann kann man es auch vereinfachen.

Wer/ Wie viele wirkt/ wirken alles an einer Sendung mit?
Was denkt ihr denn?
Wir sind eine Redaktion aus sechs bis sieben Leuten, wenn man mich mitzählt, die an den Sendungen arbeiten. Wir einigen uns zunächst mit dem Sender auf ein Thema, und dann verteilen wir die Themen auf die Redakteurinnen und Redakteure, und die bereiten das dann vor. Dann gibt es einen Projektleiter, der vor allem koordiniert, wann welche Dreharbeiten stattfinden, und es gibt natürlich noch viele, die im Schnitt mitarbeiten, die Grafiken machen, und jemand, der die Musik komponiert, dann kommt man vielleicht auf zwölf Personen. Dazu natürlich noch unser Kameramann, der fest im Team ist.



Was war das Aufregendste, was du in deiner Zeit vor der Kamera erlebt hast?
Der Dreh für den Kinofilm. Weil die Orte, wo wir hin gereist sind, die waren schon besonders. Und ich meine, an einem echten aktiven Vulkan zu stehen, irgendwo im Südpazifik, das ist schon abgefahren. Oder in Grönland mitten auf diesem Eispanzer zu stehen und hunderte Kilometer um einen rum nichts als Eis, das waren schon so die größten Abenteuer, glaube ich.

Wirst du auf offener Straße angesprochen?
Ja, immer wieder. Also natürlich je länger die Sendung läuft, seit knapp sechs Jahren, immer öfter. Das ist ja das, was bei uns so spannend ist, dass die Zielgruppe, also die Kinder, die das gucken, die fangen vielleicht mit vier Jahren an und hören mit zwölf Jahren auf, die Sendung zu gucken. Aber die wachsen natürlich auch immer wieder nach: Die heute zwei Jahre alt sind, die gucken dann vielleicht mit drei, vier Jahren auch schon Checker Tobi, Julian und Can. Und deshalb wächst die Menge an Leuten, die die Sendung mal geguckt haben oder gucken, und die Eltern zählen natürlich auch dazu.



Was war dein Traumberuf als Kind?
Puh. Ich glaube mit fünf oder sechs habe ich gedacht, ich möchte Olympiasieger werden. Ich wusste nicht, welche Sportart, das war mein Berufswunsch. Dann wollte ich mal kurz Lehrer werden, aber eigentlich, weil mein Vater Kameramann ist und ich als Kind schon mit zu Dreharbeiten durfte, fand ich schon immer den Job als Reporter vor und hinter der Kamera toll. Eigentlich, spätestens seit ich zehn Jahre alt bin, will ich genau das machen, was ich jetzt mache.

Fotos: Tobias Krell