Freitag, 17. April 2026

Fastenbrechen

Im Ramadan entwickelte Fähigkeiten und Gewohnheiten beibehalten. Gemeinsames Iftar am WG. Ein Bericht von Rukayya Mostafa (6a) und Interviews mit Gästen von Ayham Haj Hammadeh (6a).



Am 16. März fand im Remter des WGs das dritte gemeinsame Iftar statt. Das Programm begann mit einer Einleitung des Schuldirektors, Herrn Bartsch. Während seines Vortrags wurde noch einmal deutlich, wie vielfältig die Gruppe der Teilnehmenden war, denn auf Nachfrage stellte sich heraus, dass etwa die Hälfte der Besucher nicht dem Islam angehörte.

Anschließend lauschten die Zuhörer gespannt einem Vortrag über den Ramadan. Sicherlich konnten dabei viele etwas dazulernen.

Zum Beispiel, dass „Iftar“ ein arabischer Begriff ist. So nennt man das Fastenbrechen im Monat Ramadan, nachdem man von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gefastet hat. Vor Sonnenaufgang kann man aufstehen und ein Frühstück (Suhur) einnehmen. Muslime verrichten danach das Morgengebet (Fajr) und beginnen anschließend mit dem Fasten. Das bedeutet, dass man in dieser Zeit weder isst noch trinkt und sich noch stärker auf seinen Glauben konzentriert.

Das ist jedoch bei Weitem nicht alles, denn man versucht ebenfalls, Taqwa (Gottesbewusstsein, Gottesfurcht und Achtsamkeit gegenüber Gott) zu erlangen. Nach dem Ramadan bemüht man sich natürlich, die in diesem gesegneten Monat entwickelten Fähigkeiten und Gewohnheiten beizubehalten. Das Ende des Ramadan wird durch das Īd al-Fiṭr (Fest des Fastenbrechens oder oft auch „Zuckerfest“ genannt) gekennzeichnet. Hierbei kommen Familie und Freunde zusammen und feiern gemeinsam mit der muslimischen Gemeinschaft.

Beim gemeinsamen Iftar beehrte uns des weiteren Anette Rueß vom Sozialreferat der Stadt Braunschweig mit einem interessanten, aber auch traurigen Vortrag über ihre Arbeit im Bereich der Kinderarmut. Die Besucher verfolgten den Vortrag gespannt.

Im Anschluss gab es noch eine Fragerunde, und danach konnte das Fastenbrechen beginnen: Die Lehrer standen an den Essensausgaben und verteilten den bereits hungrigen Besuchern Tas Kebab, einen türkischen Fleischeintopf, der – so wie im letzten Jahr – vom Restaurant Urfa zubereitet wurde.

Pünktlich zum Abendgebet war es an der Zeit, das Fasten zu brechen. So wie der Prophet Muhammad es vorlebte, brachen die meisten ihr Fasten mit einer Dattel und/oder Wasser. Dr. Sadiqu Al-Mousllie, Vorsitzender des Landesverbandes Niedersachsen des Zentralrats der Muslime in Deutschland, kündigte den Adhan, den Gebetsruf, an. Alle lauschten den schönen Worten respektvoll.

Nachdem der Adhan verklungen war, begaben sich die Besucher zum leckere Buffet. Als Nachtisch gab es ein vielfältiges Kuchenbuffet, welches von den anwesenden Schüler/innen vorbereitet wurde. Auch hier konnte man die Diversität der Veranstaltung gut erkennen, da es viele verschiedene Desserts gab, zum Beispiel Atayef (aus Syrien), Schokoladenkuchen und viele weitere Spezialitäten.

Als Verbesserungsvorschlag könnte man beim nächsten Mal noch einen Gebetsraum oder eine Ecke für diejenigen, die das Abendgebet (Maghrib) verrichten wollen, zur Verfügung stellen. So haben viele ihr Gebet im Flur verrichtet. Trotzdem war die Stimmung sehr gut und es war den ganzen Abend über eine angenehme Atmosphäre.

Organisator der Feier war Burak Öztürk, Lehrer am WG. Sein Fazit für das Iftar war:

Insgesamt bin ich mit dem gesamten Abend sehr zufrieden gewesen. Neben dem Vortrag über Kinderarmut von Frau Rueß war ich besonders beeindruckt von der Stimmung während der gesamten Veranstaltung. Es war ja zu sehen, dass sehr viele Menschen anwesend waren, die nicht muslimisch sind. Ich habe einen sehr rücksichts- und verständnisvollen Umgang, aber auch eine gelassene und fröhliche Stimmung innerhalb der Schulgemeinschaft beobachtet, was mich sehr erfreut hat. Aus meiner Sicht war das ein rundum gelungener Abend!“


Auch der Schuldirektor Wolfram Bartsch war anwesend:

Unsere gemeinsame Iftar-Feier war auch in diesem Jahr wieder eine gesellige, fröhliche und zugleich lehrreiche Veranstaltung. Ich fand es interessant von Schüler*innen zu hören, welche Traditionen im Ramadan in vielen Familien unserer Schulgemeinschaft gepflegt werden. Spannend aber auch etwas beklemmend fand ich den Bericht von Frau Rueß zu ihrer Arbeit im Sozialreferat der Stadt Braunschweig und insbesondere zum Bereich Kinderarmut. Es war interessant zu erfahren, welche Unterstützung Betroffene, Gefährdete und Ratsuchende dort bekommen. Beim gemeinsamen Fastenbrechen in unserem Remter hat mir die familiäre Atmosphäre gefallen und die Verbundenheit mit unserer Schulgemeinschaft, die dort zu spüren war. Es hat mich gefreut, dass neben vielen muslimischen Familien auch zahlreiche Mitschüler*innen, Eltern, Kolleg*innen, Ehemalige und Freund*innen dabei waren, die ansonsten keinen Bezug zum islamischen Fasten haben. Der Abend war ein Ausdruck einer vielfältigen, aufgeschlossenen und aneinander interessierten Schulgemeinschaft.“


Den beiden können wir – und viele der anwesenden Schüler/innen - uns nur anschließen, auch aus unserer Sicht war es einer toller Abend und wir haben uns als Muslime am WG sehr wertgeschätzt gefühlt. Wir hoffen solche Veranstaltungen werden in Zukunft weiterhin stattfinden und zu einem guten Miteinander beitragen.

 

Stimmen von Gästen

 

Warum bist du zu dieser Veranstaltung gekommen?

Aktor (5b): Weil ich es cool finde.

Tom (6a): Ich hatte hierzu Lust, ich wollte es ausprobieren.

Zyan (5c): Ich bin Muslim und finde es gut, dass wir in einem christlichem Land ein muslimisches Fest in einer Schule feiern können. Darum wollte ich ausprobieren, wie das hier ist. Und ja, es war super.

Zain Haj Hammadeh: Ich bin gekommen, damit mein Kind nicht alleine hingehen muss.

 

Und was fandest du gut?

Aktor: Dass es sehr viel Spaß gemacht hat. Und die Veranstaltung davor in der Aula war auch toll.

Tom: Alles, es gab nichts, was ich schlecht fand.

Olli Bock (Toms Vater): Weil wir letztes Jahr schon hier waren. Das ist eine total tolle Veranstaltung. Nette Leute hier, nettes Beisammensein, viele Kulturen.

Zyan (5c): Ich finde es super, wie die Stadt Braunschweig dieses Projekt über Armut macht.

Zain Haj Hammadeh: Ich finde es toll, dass viele Kinder gekommen sind, um über eine andere Kultur etwas zu erfahren.

Olli Bock: Die Vorträge auf jeden Fall, auch der über Kinderarmut. Das war sehr interessant zu sehen. Das glauben die meisten Kinder ja nicht, die in diesem Wohlstand leben. Wir haben ja Luxus. Das sehen viele gar nicht, das ist für die normal. Ich sage unserem Sohn immer, es ist nicht normal, dass wir jeden Tag einen vollen Teller haben. Das ist ihm hier auch mal klar worden.

 

Fandest du das Essen lecker?

Zyan (5c): Ja, das war gut. Es war auch von einem guten Restaurant.

 

 

Fotos: Ayham

 

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