„In einer Zeit digitaler Medien ist das genaue Lesen eine ganz wichtige Fertigkeit, die man durch Lateinlernen mitnehmen kann“. Halla Naameh, Anton Jüttner und Linus Seiffert (10m1) befragen Herrn Duwe zu Latein.
Für viele gilt Latein als geheimnisvolle
Sprache aus der Antike – für andere ist es nur eine Sprache, die gar nicht mehr
gesprochen wird. Die zukünftigen Sechstklässler müssen sich entscheiden, welche zweite Fremdsprache sie wählen möchten. Im Rahmen unserer Reihe „Steckbrief der
Fremdsprachen“ stellen wir euch dafür heute Latein vor.
Bei Latein ist das jetzt
vielleicht nicht eine gute Einstiegsfrage, aber wo spricht man Latein denn so
überall?
Latein war bis vor Kurzem noch die
einzige offizielle Sprache im Vatikan, seit Neuestem aber selbst da nicht mehr.
Latein wird heutzutage kaum noch aktiv gesprochen, aber der Schatz von
Vokabeln, Kultur und Sprache, der ist eigentlich fast überall auf der Welt sichtbar.
Und was macht man im Lateinunterricht?
Wir versuchen ganz wesentlich, uns den
Schatz dieser Sprache zugänglich zu machen. Das heißt, das, was man damals in
der römischen Welt geschrieben und gedacht hat, heute zu verstehen und darüber
nachzudenken.
Was macht aus Ihrer Sicht denn Latein sinnvoller als die anderen Sprachen?
Ich habe das Gefühl, dass einerseits die
Spuren, die Latein hier bei uns im Land hinterlassen hat, noch viel deutlicher
sind als die Spuren der anderen modernen Sprachen. Dass man viel mehr mit
Dingen in Berührung kommt, die Latein sind oder hierauf zurückzuführen sind.
Außerdem ist es so, dass wir anders im Unterricht damit umgehen. Wir versuchen
vor allem, die Sprache und das, was da in diesen Texten steht, zu verstehen,
durch Übersetzung und Nachdenken über Dinge, die Menschen schon immer bewegt
haben. Übrigens kann dieses Übersetzen von Texten, das manchmal wie eine kleine
logische Knobel- oder Puzzleaufgabe erscheint, auch einfach viel Spaß machen. Das
bestätigen viele Schüler bei uns, die Lust haben, mit Latein auch in der
Oberstufe noch weiterzumachen.
Wie schwer ordnen Sie Latein ein?
Über viele Jahrhunderte war die
lateinische Sprache die fast überall gesprochene und verstandene Sprache. Das
heißt, ganz normale Menschen haben auf Latein gesprochen. Dass wir alles selbst
sprechen können, ist heute gar nicht mehr unser Ziel, aber dass wir es
verstehen können. Das haben ja Generationen von Menschen geschafft und das
schaffen wir ganz einfach auch. Mit der richtigen Hilfe und Herangehensweise
ist Latein eine genauso leichte oder schwere Sprache wie alle anderen auch.
Warum haben Sie damals selbst Latein gewählt?
Ich war selbst immer total interessiert
an alten Dingen. Wo etwas herkommt. Ich bin durch Ruinen geklettert und mir
haben alte Kulturen Spaß gemacht. Und bevor mich die Sprache total angesprochen
hat, hat mich einfach die Welt der Antike, der Römer und der Griechen absolut
fasziniert. Deswegen wollte ich in diese Welt tiefer eintauchen.
Was ist für Sie das ausschlaggebendste Argument, was für Latein spricht?
Es sind zwei. Das eine ist, dass wir eine
Sprache und Kultur erlernen, die ich absolut faszinierend finde und von der wir
heute wie früher, glaube ich, unfassbar viel lernen können . Das andere ist,
dass ich glaube, dass das Übersetzen und die Auseinandersetzung mit den Texten
Techniken sind, mit denen heutzutage viele Schüler auch im späteren Leben ganz
viel anfangen können.
Was ist denn ein Argument, was eigentlich gegen Latein spricht?
Eigentlich wie in jeder anderen Sprache
auch, dass man sich mit Vokabeln und Grammatik auseinandersetzen muss. Mit
Grammatik vielleicht noch ein bisschen genauer als in den modernen
Fremdsprachen. Und viele lateinische Wörter sind auf den ersten Blick, wenn man
sie lernt, nicht ganz so leicht zugänglich wie zum Beispiel im Spanischen.
Dafür lernen wir meist sehr viel weniger Vokabeln.
Was bringt einem denn Latein im Leben?
Ich glaube, man gewinnt einen Schatz
damit, dass man die Kultur und die Sprache einfach als Lebensbegleiter
mitnimmt. Das andere ist, dass man absolut geschult darauf ist, sich mit Texten
auseinanderzusetzen, und zwar ganz genau. Manchmal lesen wir in einer
Unterrichtsstunde nur ein oder zwei Sätze und machen uns darüber ganz genaue
Gedanken, sowohl in der Übersetzung als auch darüber, was das eigentlich heißt.
Und ich glaube, in einer Zeit, in der man sehr viel mit digitalen Medien
herumwischt, ist das genaue Lesen eine ganz wichtige Fertigkeit, die man durch
Lateinlernen mitnehmen und sich deutlich verbessern kann.
Wollen Sie den 5. Klässlern noch irgendetwas sagen?
Entscheidet frei für das, was euch am
meisten interessiert und fasziniert. Jede Sprache und jede Kultur ist toll und
es bringt euch ganz viel, sie zu lernen. Latein ist meine Lieblingssprache und
ich finde die Welt der Römer wahnsinnig interessant. Deswegen freue ich mich,
wenn viele von euch ein solches Interesse teilen.

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