Samstag, 27. Juli 2019

Interview: Checker Tobi


Traumberuf Reporter. Louis Ostrowski im Gespräch mit Checker Tobi.



Wer bist du?
Ich bin Tobi Krell, aber ich arbeite als Checker Tobi. Dass ist eine Kinderwissenssendung die im KIKA läuft, in der wir in Reportagen und Studioteilen eigentlich alle Themen versuchen, für Kinder so aufzubereiten, dass sie am Ende ein bisschen mehr Wissen als vorher haben.

Bist du in deinem Freundeskreis auch der, der alles erklärt?
Das ist eine schöne Frage, aber ich glaube nicht. Ich lerne natürlich jeden Tag irgendwas Neues, und durch diese Sendung habe ich auch schon ganz viel in meinem Leben dazugelernt, aber ich glaube, ich bin jetzt kein Klugscheißer. Zumindest nicht so sehr, wie ich sein könnte, nach sechs Jahren Wissensfernsehen machen. Ich muss leider auch dazu sagen, wenn man über 100 Folgen gemacht hat – da habe ich jetzt leider schon viel wieder vergessen, ich kann mich also nicht an alles erinnern.

Wie bist du Checker geworden?
Eigentlich war das ein großer Zufall. Ich habe schon während des Studiums für das Fernsehen gearbeitet. Damit habe ich mein Studium finanziert. Und zuerst habe ich in Fernsehensendern Praktika gemacht, dann habe ich als freier Mitarbeiter angefangen und hinter der Kamera Beiträge gemacht. Dann durfte ich vor die Kamera für ein junges Programm des SWR und habe Reportagen für Leute anfangs 20 gemacht, von Musikfestivals und so. Danach wurde ich der Filmkritiker dieser Sendung und stand Woche für Woche vor der Kamera. Und dann hat die Reaktion, die vorher Checker Can gemacht hat, einen neuen Checker gesucht, als Can aufgehört hat. Die haben mich im Fernsehen gesehen und zum Casting eingeladen, ganz klassisch. So hat das geklappt. Es waren viele Zufälle, aber vielleicht war das auch richtig so.

Wie ist es, vor der Kamera zu stehen?
Das ist eine schwierige Frage. Ich weiß nicht, ich mach das einfach immer. Also ich habe jetzt nicht mehr das Gefühl, so ganz aufgeregt zu sein. Das war natürlich am Anfang schon so, aber mittlerweile ist es eher so, dass es ganz selbstverständlich läuft. Mir macht es einfach Spaß, ich bin gerne der Typ, der zu Leuten hingeht und Fragen stellt, und Sachen ausprobiert. Ist ja auch was Tolles an meinem Job. Genau, ich habe einfach großen Spaß dran. Es ist aber kein besonders seltsames Gefühl, nur weil da 'ne Kamera dabei ist.

Du hast am 31.01.2019 einen Film herausgebracht. Was ist für dich angenehmer zu drehen? Film oder Fernsehen?

Also, beim Fernsehen habe ich mittlerweile einfach eine Routine und weiß, wie es funktioniert. Und ich bin eben nicht mehr so dolle aufgeregt. Beim Kinofilm ist es anders. Da war ich schon nervös, da die Art und Weise, wie man dort dreht, eine andere ist. Das Team hinter der Kamera ist größer, alles dauert ein bisschen länger, weil man einfach ein anderes Kamera-Equipment dabei hat, und das fand ich schon aufregender, ich will jetzt nicht sagen, das eine macht mehr Spaß als das andere, aber es war toll, diese Erfahrung gemacht zu haben, einen Kinofilm zu drehen.

Was war die größte Panne während eines Drehs?
Oh, da passiert sehr viel. Was ständig vorkommt, ist, dass etwas misslingt, dass man stolpert und hinfällt, ich verspreche mich auch oft und regelmäßig, oder das Zusammenspiel zwischen mir und Kamera funktioniert nicht, dann muss man nochmal von vorne anfangen. Diese Kleinigkeiten passieren fasst jedes Mal, aber das ist überhaupt nicht schlimm. Und die größten Pannen, da muss ich nachdenken. Es passieren manchmal auch peinliche Situationen, wir haben mal eine Sendung zum Thema Schwimmbad gemacht, und es ging auch um die Wasserrutsche. Ich hatte einen Experten, der hat mir gezeigt, wie man am schnellsten die Rutsche runterkommt. Und der letzte Trick war, dass man sich die Badehose in die Po-Ritze reinziehen soll. Und dann habe ich das auch gemacht und wollte gerade runterrutschen, aber dann bin ich mit halbnacktem Po auf der Rutsche ausgerutscht und bin dann da irgendwie auf die Nase gefallen. Sowas passiert auch manchmal.

Ist es schwer, schwierige Vorgänge leicht zu erklären?
Also, das ist das Zusammenspiel zwischen der Redaktion, also den Reakteuren, die die Sendung vorbereiten und recherchieren, bei dem Dreh mit dem Kameramann und mir. Ich glaube, dass ist die höchste Kunst des Journalismus, was wir hier machen, denn man muss das Thema auf jeden Fall so durchdrungen haben, dass man es wirklich versteht. Sonst kann man es nicht runterbrechen und vereinfachen. Oder man macht Fehler, aber das darf uns nicht passieren, da wir ja Kindern Wissen mitgeben wollen. Also ich glaube schon, dass es schwer ist, aber wir haben hier im Team eine gute Erfahrung, teilweise, wenn man Can dazuzählt, nach über acht Jahren Kinderfernsehen machen, dass man einfach gelernt hat, wie es funktioniert. Das Konzept ist es letztendlich, einfach Sachen zu verstehen und wenn man das von sich behaupten kann, dann kann man es auch vereinfachen.

Wer/ Wie viele wirkt/ wirken alles an einer Sendung mit?
Was denkt ihr denn?
Wir sind eine Redaktion aus sechs bis sieben Leuten, wenn man mich mitzählt, die an den Sendungen arbeiten. Wir einigen uns zunächst mit dem Sender auf ein Thema, und dann verteilen wir die Themen auf die Redakteurinnen und Redakteure, und die bereiten das dann vor. Dann gibt es einen Projektleiter, der vor allem koordiniert, wann welche Dreharbeiten stattfinden, und es gibt natürlich noch viele, die im Schnitt mitarbeiten, die Grafiken machen, und jemand, der die Musik komponiert, dann kommt man vielleicht auf zwölf Personen. Dazu natürlich noch unser Kameramann, der fest im Team ist.



Was war das Aufregendste, was du in deiner Zeit vor der Kamera erlebt hast?
Der Dreh für den Kinofilm. Weil die Orte, wo wir hin gereist sind, die waren schon besonders. Und ich meine, an einem echten aktiven Vulkan zu stehen, irgendwo im Südpazifik, das ist schon abgefahren. Oder in Grönland mitten auf diesem Eispanzer zu stehen und hunderte Kilometer um einen rum nichts als Eis, das waren schon so die größten Abenteuer, glaube ich.

Wirst du auf offener Straße angesprochen?
Ja, immer wieder. Also natürlich je länger die Sendung läuft, seit knapp sechs Jahren, immer öfter. Das ist ja das, was bei uns so spannend ist, dass die Zielgruppe, also die Kinder, die das gucken, die fangen vielleicht mit vier Jahren an und hören mit zwölf Jahren auf, die Sendung zu gucken. Aber die wachsen natürlich auch immer wieder nach: Die heute zwei Jahre alt sind, die gucken dann vielleicht mit drei, vier Jahren auch schon Checker Tobi, Julian und Can. Und deshalb wächst die Menge an Leuten, die die Sendung mal geguckt haben oder gucken, und die Eltern zählen natürlich auch dazu.



Was war dein Traumberuf als Kind?
Puh. Ich glaube mit fünf oder sechs habe ich gedacht, ich möchte Olympiasieger werden. Ich wusste nicht, welche Sportart, das war mein Berufswunsch. Dann wollte ich mal kurz Lehrer werden, aber eigentlich, weil mein Vater Kameramann ist und ich als Kind schon mit zu Dreharbeiten durfte, fand ich schon immer den Job als Reporter vor und hinter der Kamera toll. Eigentlich, spätestens seit ich zehn Jahre alt bin, will ich genau das machen, was ich jetzt mache.

Fotos: Tobias Krell

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