Donnerstag, 3. Oktober 2019

Fridays for future: Interview mit Christoph Bratmann


Klimaschutz betrifft uns alle. Der WGtarier veröffentlicht deshalb eine Serie zur Bewegung fridays for future. Den Auftakt macht ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Schulausschusses Christoph Bratmann.



Wir sind alle in der Pflicht. Jan-Marten Kleine-Besten befragt Christoph Bratmann, Vorsitzender des Schulausschusses der Stadt Braunschweig, SPD-Fraktionsvorsitzender und Mitglied des niedersächsischen Landtags.

Wie haben Sie im Stadtrat die Diskussionen zu den „Fridays for Future“ erlebt?
Natürlich kann ich nicht für den kompletten Rat der Stadt Braunschweig sprechen. Aber ich und die Mitglieder meiner Fraktion haben zunächst einmal sehr positiv wahrgenommen, dass junge Menschen sich in so großer Zahl politisch engagieren. Das finde ich beachtenswert. Als Konsequenz der fridays for future-Bewegung wurde im Rat der Arbeitskreis „Braunschweig for future“ gegründet, der sich weiter intensiv mit dem Thema beschäftigen und zukunftsfähige Konzepte für die Stadt Braunschweig erarbeiten wird. Zudem wurde ein großer Teil der Forderungen von „fridays for future“ in einem Ratsantrag mehrerer Fraktionen aufgegriffen und beschlossen.


Wie verhalte ich mich am besten, wenn ich bei einer solchen Demonstration mitmachen möchte?
Grundsätzlich ist das im allgemeinen Demonstrationsrecht festgeschrieben. Eine Demonstration muss von den Veranstaltern mindestens 48 Stunden vor Beginn angemeldet werden. Für alle Teilnehmer
gilt dann, sich nicht mit Masken oder Ähnlichem zu vermummen, friedlich zu bleiben und sich nicht zu bewaffnen. Schulfrei gibt es allerdings für die Teilnahme während des Unterrichts nicht, sodass Schülerinnen und Schüler selbst entscheiden müssen, inwieweit ein Fernbleiben vom Unterricht verträglich ist.

Ab welchem Alter ist es per Gesetz erlaubt, dass man als Schüler*in bei solch einer Demonstration mitmachen möchte?
Das Demonstrationsrecht ist ein Grundrecht, welches nicht an ein bestimmtes Alter gebunden ist. Also dürfen natürlich auch Schüler unter 18 Jahren demonstrieren. Es gibt aber auch eine allgemeine Schulpflicht, und die Teilnahme an einer Demonstration bedeutet nicht, dass man dann nicht mehr zur Schule gehen muss. Dafür kommt natürlich kein Schüler ins Gefängnis, aber unter Umständen kann es in der Schule Ärger geben, wenn du unentschuldigt freitags fehlst.

Was möchte die Stadt Braunschweig in Zukunft mehr für den Klimaschutz/Umweltschutz tun?
Ich hatte ja in der ersten Frage bereits auf den Arbeitskreis „Braunschweig for future“ hingewiesen. Das ist beispielsweise ein konkreter Schritt der Stadt Braunschweig, das Thema weiter zu bearbeiten. Zum Glück fangen wir als Kommune ja jetzt auch nicht komplett neu damit an, klimapolitisch zu denken. Es gibt unter anderem eine klimagerechte Bauleitplanung. Darüber hinaus plant die Stadt gerade, ein eigenes Dezernat für Umwelt- und Klimaschutz einzurichten.



Was kann aus Sicht des Stadtrates jeder selbst und relativ unkompliziert für das Klima tun?
Zum Beispiel den eigenen Konsum beachten, da ist oft weniger mehr. Im eigenen Haushalt auf Mülltrennung und Müllvermeidung achten. Nach Möglichkeit mehr das Fahrrad oder den öffentlichen Nahverkehr statt den Pkw nutzen. Das sind nur einige Beispiele, bei denen jeder von uns einen Beitrag leisten kann.



In den Medien wurde berichtet, dass die Stadt Braunschweig „Bienen-Hauptstadt“ werden möchte. Können Sie dazu nähere Angaben machen?
Hierbei handelt es sich um ein gemeinsames Projekt der Stadtverwaltung und des Julius-Kühn Instituts. Insgesamt sollen 16 Hektar Fläche der Stadt wildbienengerecht umgestaltet werden, um die Bienenpopulation insgesamt zu verbessern. Das Projekt wird mit 4,6 Millionen Euro von Bund und Land sowie 1,2 Millionen Euro von der Stadt finanziert. Allerdings kann auch jeder seinen Balkon oder Garten durch entsprechende Pflanzen bienen- und insektenfreundlich gestalten.

Kommt es vor, dass sich Schüler*innen oder Bürger an den Stadtrat wenden, um Vorschläge oder Kritik in dem Bereich Klimaschutz/Umweltschutz einzubringen?
Ja. Letztendlich sind die Fridays-for-future-Demonstrationen ja direkt an die Politik gerichtet. Die Braunschweiger Gruppe hat sich auch bereits mit uns in Verbindung gesetzt, und wir sind in einem direkten Austausch. Darüber hinaus tragen Schülerinnen und Schüler uns auch andere Anliegen vor, wie z. B. die Forderung nach vergünstigten Schülertickets für Bus und Bahn.



Was würden Sie jungen Leuten beim Thema Klimaschutz/Fridays for Future mit auf den Weg geben?

Umweltschutz ist aber nicht nur Senkung des CO²-Ausstoßes aus Autos oder Fabrikanlagen. Jeder von uns kann durch den eigenen Konsum bereits viel bewegen. Beim Kauf von Lebensmitteln, Kleidung, Handys oder dem Beachten der Mülltrennung sind wir alle in der Pflicht.

Was tun Sie selbst im Alltag für den Klimaschutz/Umweltschutz?
Neben den bereits erwähnten Dingen versuche ich, weniger Plastikmüll zu produzieren oder öfter mal auf das Auto zu verzichten. Gerade letzteres ist als Kommunal- und Landespolitiker leider nicht immer ganz leicht.



Was könnte aus Ihrer Sicht die Politik in Zukunft im Bereich Klimaschutz/Umweltschutz verändern?
Vieles dreht sich, gerade in unserer Region um die Mobilität. Neue Antriebsformen wie der E-Motor oder Wasserstoffantriebe könnten unsere Gesellschaft in Umweltaspekten weit voranbringen. Daran wird in unserer Region gerade intensiv geforscht. Zudem gilt es, den öffentlichen Personennahverkehr weiter auszubauen. Global betrachtet hängt vieles an den USA, China und Indien, die zusammen mehr als die Hälfte der weltweiten CO² Emissionen produzieren. Damit sind wir Europäer nicht aus der Verantwortung entlassen, aber es verdeutlicht, dass dieses Problem nur global gelöst werden kann.




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen