Mittwoch, 6. November 2019

Fridays for Future: Interview mit Antje Elisabeth Kapsch

Es wird sich viel bewegen. Jan-Marten Kleine-Besten im Gespräch mit Frau Kapsch, Fachgruppenleiterin Erdkunde und Mitwirkende im Schulforum für Nachhaltigkeit „WeGo for future  tomorrow is now“.

Teil 1: Interview mit Christoph Bratmann, Vorsitzender des Schulausschusses der Stadt Braunschweig
Teil 2: Interview mit Antje Kapsch, Mitwirkung im Bereich Umweltbildung am WG
Teil 3: Interview mit Moritz von Bachmann, Organisator von Fridays for Future am WG


Was unternimmt unsere Schule momentan für den Umweltschutz/Klimaschutz?
Unsere Schule engagiert sich in vielerlei Art und Weise für den Klima- und Umweltschutz. Exemplarisch sei da verwiesen auf
  • die Aktivitäten zur Mülltrennung,
  • die Maßnahmen zur Strom- bzw. Energieeinsparung inklusive der Solarzellen auf dem Dach („Energiesparfuchs/Abfallfuchs“),
  • das Schulprogramm mit der Umwelt-Agenda,
  • die Bewerbungsphase als UNESCO-Schule mit der Klima-AG,
  • die Repair-AG,
  • die Fachgruppe Kunst mit ihrem vierfachen Preis beim Wettbewerb „Upcycling Accessoires“ im Rahmen der Europäischen Woche zur Abfallvermeidung
  • und die curriculare, pädagogische Arbeit der Kolleginnen und Kollegen zum Thema Nachhaltigkeit und Umwelt in allen so verschiedenen Fächern
Es ist aber auch noch sehr viel anderes möglich z. B. Müllvermeidung vor Mülltrennung, ökologische (Um-)Gestaltung des Schulgartens und des Pausenhofes im Haupthaus, Umgang mit Licht und Wärme jedes Einzelnen in unserem Schulhaus, mehr „echtes“ und weniger informationsbezogenes: nachhaltiges Lernen für die Schülerinnen und Schüler.


In welchen Bereichen könnten z. B. Schüler/-innen oder Lehrkräfte aus Ihrer Sicht selbst mehr für den Umweltschutz/Klimaschutz in unserer Schule tun?
Erst einmal kann jeder selbst auf sich und seine Handlungsweisen in seinem Leben und seinem Alltag blicken. Viele erste kleine Schritte wie z. B. Reduktion von Energieverbrauch in verschiedensten Formen, Vermeidung von Einweg-Verpackungen, Reduktion der Plastik-Nutzung insgesamt, Reflexion und eben auch die Änderung des eigenen mobilen Verhaltens, Einkauf von wirklich nachhaltigen Waren (die nicht unbedingt fair-trade oder Bio sein müssen) u. v. a. m. können größere Schritte in den Folgehandlungen er- bzw. bewirken. Das gilt insbesondere dafür, dass viele Menschen in einer Gemeinschaft zusammen einfacher und gleichzeitig solche identischen, neuen, oft nur ungewohnten und mitunter auch „unbequemen“ Wege beschreiten (können). Ich denke auch, dass wir in der Gemeinschaft eine Menge bewirken können, da wage ich aber noch keinen Blick in die Zukunft.


Welche Ideen gibt es, um den Umweltschutz/Klimaschutz an unserer Schule zu verbessern?
Es gibt derzeit sehr viele Ideen. Aktuell finden dazu Austausch, Ideensammlung und erste Planung im „Forum für Umwelt und Nachhaltigkeit“, bestehend aus Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften sowie im Arbeitskreis „WG 2025“ und auch überhaupt im Kreis des Kollegiums, in den verschiedenen Fachgruppen und in der Schülerschaft statt. Ich denke, da wird sich in der nächsten Zeit viel bewegen.

Werden Sie als Umweltbeauftragte der Schule auf das Thema „Fridays for Future“ angesprochen?
Auf dieses eben auch kontrovers diskutierte Thema werde ich angesprochen. 23 000 deutschsprachige Wissenschaftler der Initiative „scientists for future“ unterstützen die Schülerinnen und Schüler in ihrem Anliegen und formulieren:

„Zurzeit demonstrieren regelmäßig viele junge Menschen für Klimaschutz und den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erklären wir auf Grundlage gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse: Diese Anliegen sind berechtigt und gut begründet. Die derzeitigen Maßnahmen zum Klima-, Arten-, Wald-, Meeres- und Bodenschutz reichen bei weitem nicht aus.“ (Quelle: https://www.scientists4future.org/ stellungnahme/ stellungnahme-de/ [11.06.2019])


Hatten sie ein Schlüsselerlebnis, wodurch Ihr Interesse für Umweltschutz/Klimaschutz geweckt wurde?
Ein Schlüssel für mein Engagement liegt sicher auch in meiner Kindheit, in der ich erlebt habe, wie im Chemie-Dreieck Halle-Leipzig-Bitterfeld massiv und mit gravierenden Folgen für Mensch, Landschaft und Gesellschaft in die Umwelt eingegriffen wurde. Ein Blick auf die vor Schmutz und Chemikalien meterhoch überschäumende Saale im Bereich von Schkopau/Merseburg oder die dick staub- und rußbedeckten Häuser und Straßen der Winterzeit gehören sicher zu prägenden Eindrücken. Beeindruckend war die Sanierung und deutliche Verbesserung der Situation in dieser Region über viele Jahrzehnte hinweg, die zeigt, dass Erfolge, basierend auf hohem Engagement, möglich sind.

Ein besonderes Schlüsselerlebnis erfolgte auf einer Studien-Exkursion durch Italien im Jahr 2000, in deren Rahmen wir als Studenten die Schönheit und Einzigartigkeit mariner Lebensräume auf den Liparischen Inseln und auf Sizilien kennenlernen durften, um in einer Führung vor Ort gleichzeitig über die marine Verklappung von Restschlämmen aus der Aluminium-Herstellung und die akute Thunfisch-Überfischung selbst in den Schutzgebieten zu erfahren. Seitdem esse ich keine Muscheln mehr und (ver-)meide Thunfisch auf dem Teller. Die globale Weltmeer-Plastik-Problematik, über die wir Erdkundelehrer im Erdkundeunterricht schon seit vielen Jahren unbeachtet berichteten, stellt da sicher nur die Spitze des Eisberges der Folgen des „Anthropozäns“ dar.


In welchen Bereichen würden Sie selber in Zukunft mehr für den Umweltschutz/Klimaschutz unternehmen wollen?
  • nachhaltige Bildung bzw. nachhaltiges Lernen als Befähigung der nächsten Generation mit dem von uns aufgebürdeten „Rucksack“ erfolgreich und konstruktiv handelnd umgehen zu können,
  • Reduktion von Ressourcenverbrauch
Warum sollte man sich aus Ihrer Sicht für den Umweltschutz/Klimaschutz einsetzen?
WIR haben nur diese EINE Erde. Die (großräumige) Zerstörung von (komplexen) Ökosystemen ist irreversibel.

Merken Sie an Freitagen, dass viele Schüler/-innen wegen „Fridays for Future“ Demonstrationen mitmachen?
Ich nehme das medial und auch in der Schule deutlich wahr. Auch mein großer Sohn nimmt an den Demonstrationen teil.

Haben Sie einen Leitsatz oder eine Vision, die Sie den Schülern/-innen zu dem Thema mit auf den Weg geben möchten?
„Sustainable development meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.“
„Nachhaltig ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.
(Quelle: „Unsere gemeinsame Zukunft. Der Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung“, 1987)

Was unternehmen Sie selber bereits für den Klimaschutz/Umweltschutz?
Das fängt z. B. im privaten Bereich an: Wir bauten ein energieeffizientes Haus mit Solarthermie und wassersparenden Wasserhähnen usw., besitzen nur ein Auto aber fünf Fahrräder, nutzen dienstlich möglichst die Bahn und vermeiden private Flüge, fahren im Sommer-Urlaub (mit dem PKW) in ein nachhaltiges Hotel, gehen im Harz Skilanglaufen – fahren nicht in die Alpen zum alpinen Skifahren oder Rodeln, kaufen regional-nachhaltige Produkte, trennen Müll, versuchen den Ressourcenverbrauch zu verringern indem wir Einweg-Verpackungen vermeiden, mähen den Rasen ganz ohne Mähroboter und deutlich seltener, haben im Garten einen noch weiter auszubauenden Insekten-Bereich, beleuchten unseren Garten nicht in der Dunkelheit. In den Bereichen Konsum bzw. Online-Versandhandel und Textilprodukte werden zukünftige „Baustellen“ hinsichtlich nachhaltigem Handeln in unserem Hause liegen.

Nicht zuletzt engagiere ich mich auch in meinem Beruf intensiv in der Auseinandersetzung mit und Bewältigung der Problematik von Umwelt und Nachhaltigkeit.


Foto: Kuttig

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